Dienstag, 24. Dezember 2024

Heilig Abend

Es ist fast Mitternacht, sternklar, als ich "heimkomme" zu meinem bereits feuchten Zelt. Ich habe mich ja einfach bei meinen Freunden mit eingeklinkt - im Clubhaus der Gleitschirmflieger ist gemeinsamer Weihnachtsabend angesagt.

Am Morgen hängen noch Nebelschwaden in den Tälern - gut, daß ich am Berg wohne. Sobald die Sonne höher wandert wird es zuerst angenehm warm, dann sogar heiß - ich muss etwas Halbschatten suchen. Ich lerne und über ein klein wenig, ansonsten bin ich faul. Dann packe ich etwas um und breche am Nachmittag zu den Gleitschirfliegern auf. Meine Freunde sind noch unterwegs, aber die Dusche auf dem Platz ist gerade frei und das nutze ich natürlich schamlos aus. Den Hintergedanken hatte ich schon. Frisch gewaschen mögen mich auch die Freunde wieder und so genießen wir die Sonne zusammen. Als es dunkel wird, warten wir nicht bis zum vereinbarten Zeitpunkt für das Buffet sondern gehen schon mal runter zur Bar. 
Zwei große gusseiserne Bulleröfen stehen dort und werden gerade mit Olivenholz angefeuert - wunderbar, denn es ist schlagartig kalt. Nach und nach sammeln sich mehr und mehr Leute, das Buffet füllt sich mit allerlei Köstlichkeiten - ich schlemme, schlemme, schlemme! All die vielen Fremden sind plötzlich keine Fremden mehr, auch wenn ihre Leidenschaft eine andere ist als meine. Wir verstehen uns alle gut und es gibt natürlich die unterschiedlichsten Geschichten. Zwischen den 2 Öfen wird es zwischenzeitlich so heiß, daß man Angst um die Kunststoffjacken haben muss. Eigentlich mag ich nicht aufbrechen, aber die Vernunft ruft.

Montag, 23. Dezember 2024

Weihnachtsfeiertage

Ich habe mich ganz frech bei meinen Freunden zum Weihnachtsessen am Heiligabend und zum heutigen Einkauf in Ronda eingeladen. Ich werde der Lisl also "schon wieder" ein paar Tage Urlaub gönnen. Ich beginne heute damit, morgens ein bisschen im Zelt zu sitzen und zu lernen. 
Etwas verspätet treffe ich mich dann am frühen Nachmittag mit meinen Freunden, die sich hier im Ort nach Wohnmöglichkeiten umgeschaut haben. Sie sind ein wenig erschöpft und außerdem gibt es wohl im Praglider-Club ein gemeinsames Weihnachtsessen, darum wird schnell mal umgeplant. Wir machen heute keine Stadtbesichtigung mehr sondern fahren nur zum einkaufen. Etwas für's gemeinsame Buffet und etwas als Dankeschön für Andi muss auch mit. Dann gibt's noch einen Aufenthalt im Club bzw. am Wohnmobilstellplatz, etwas Sonne genießen, ratschen und als die Sonne verschwindet werde ich nach Hause gebracht. 
Am Gegenhang strahlt Zahara - in der Dunkelheit sieht der Ort fast wie ein Weihnachtsbaum aus. Mein persönlicher Weihnachtsbaum....
Gute Nacht.

Sonntag, 22. Dezember 2024

Algodonales

Ich entwickle mich zum Langschläfer - erst gegen 10 Uhr krabble ich aus dem Zelt. Heut Nacht war es gar nicht so kalt und vor allem seeeehr trocken - kein Tröpfchen Tau oder Kondenswasser ist zu sehen. Extrem aufdringliche Bienen stören meine Morgenroutine und verärgern mich ordentlich. Bereits um diese Zeit donnern immer wieder mal Tourenmotorräder hier vorbei - scheint eine beliebte Strecke zu sein. Oh, das ist verständlich: die Morgengymnastik übernimmt heute die Lisl - ihr Hüftschwung wird immer weicher. Je mehr wir uns der Stadt Aznacollar nähern, umso häufiger begegnen uns Motorräder, dann Rennradfahrer, Jogger, sogar Bungeejumper von einer Brücke zum Stausee hinunter. Und Gelegentlich ein Auto - die glauben allerdings, die schmale Straße gehöre ihnen alleine. Da wirds manchmal schon ganz schön eng!

Als nächstes müssen wir eine große Ebene durchqueren, aus und vorbei mit Kurven. Breite gerade Straßen durch langweilige Landschaft. Überall nur schwarze fruchtbare Erde auf den gepflügten Äckern. Lediglich Carmona bietet ein wenig Abwechslung; es besitzt eine schöne Altstadt mit Festungsmauern ringsum. Irgendwie sind wir zufällig dorthinein geraten. Die Lisl darf außerhalb der Mauern parken, ich schauen mich drin etwas um und bleibe am Marktplatz in einem Restaurant hängen.
Am Horizont tauchen endlich wieder Berge auf, da halten wir gerne darauf zu.

Claudia hatte mir vor einiger Zeit die Koordinaten des Wohnmobilstellplatzes geschickt, wo sie normalerweise stehen. Wir finden den Platz fast leer vor, das einzige Fahrzeug ist das von Claudia und Volker. Die Beiden sonnen sich auf einer Bank. Große Überraschung! Warum? Weil der Platz eigentlich gesperrt ist bis zum 7.Januar und die Beiden nur zum Wasserholen gekommen sind. Na, da haben wir ja ein gutes Timing gehabt. Jetzt geht allerdings die Überlegerei los, wo ich übernachten kann, denn an dem Platz, wo die Beiden stehen ist zelten nicht erlaubt. Es gibt einige wilde Zeltmöglichkeiten in größerer Entfernung, aber das ist ungeeignet, wenn ich ein paar Tage bleiben will. Schließlich hat Voker die zündende Idee - sie haben einen Bekannten mit einer Finka und einem großen Olivenhain hier. Ob ich da bleiben könnte? Der Überfall gilt Andi, einem Deutschen, der sich dafür breitschlaagen läßt. Das ist sehr nett! 

Kurz vor Sonnenuntergang begebe ich mich mit der Lisl auf die Suche nach einem geeigneten Plätzchen - gar nicht so einfach. Denn unter dem Unkraut ist der Boden nicht nur uneben sondern auch extrem lehmig-rutschig. So schnell kann ich gar nicht gucken, wie das Hinterrad wegrutscht und die Lisl auf der Seite landet! Mist! Volker ist schnell zur Hand und hilft der Lisl wieder in die Senkrechte. Nix passiert, nur stinkt die Lisl jetzt nach ausgelaufenem Benzin.  Daraufhin schiebe ich sie zurück auf den Weg mit festem Untergrund und nehme mit einem Plätzchen direkt unterhalb am Zaun vorlieb. Ein kleines Plätzchen, reicht aber genau für das Zelt und bietet einen herrlichen Ausblick über das Tal - solange es hell ist.

Für 8 Uhr sind wir zum Abendessen verabredet - das Lokal ist nicht ganz 3 km entfernt aber Google spricht von 10 min Fahrzeit. Klar - der Weg zur Finka ist sehr schlecht, sandig, lehmig...ich bin gespannt, wie wir das bei Dunkelheit managen. Im Schritttempo gelingt uns die Fahrt ganz gut, obwohl ich ziemlich wackelige Knie habe. Meine Freunde lotsen mich in ein gut besuchtes Restaurant mit großer Auswahl und super leckerem Essen - endlich Tappas! Es wird spät....

Samstag, 21. Dezember 2024

Spanien, die Dritte

Morgens bin ich zwar relativ früh auf, aber wie immer dauert es (halb elf portugiesische Zeit), bis wir schließlich fahrbereit sind. Das Packen nimmt immer ziemlich viel Zeit in Anspruch - bis alles trocken und auf minimale Größe gebracht ist. Nebenher ein bisschen frühstücken und natürlich Morgentoilette. Im Zelt war es gefühlt wärmer als in der Koje, dafür ist das Außenzelt beidseitig und das Innenzelt auf der Außenseite ebenfalls nass. Mit Lappen und Sonne trocknet es jedoch schnell. Erst bei der Ausfahrt aus dem Erholungsgebiet sehe ich das Schild für Campingverbot...

Bald schon geraten wir in einem kleinen Dorf nach kurzen Irrungen durch die engen Gassen auf eine phantastisch kurvenreiche, einspurige Straße. Spaß! Kurz darauf reisen wir zum dritten mal nach Spanien ein und es ist wieder ein anderer Grenzübergang. Auch die Lisl bekommt nun Frühstück, ganze 20 Ct billiger als in Portugal. Meistens bewegen wir uns nun auf breiten, wenig kurvigen Straßen. Hinter einer langegezogenen Kurve staut sich der Verkehr, die Menschen sind schon ausgestiegen. In der Ferne jede Menge Blaulicht, ein Motorradfahrer kommt mir entgegen und zeigt mir eine Wende-Geste. Kurz das Navi befragt zeigt eine ca. 20 min längere Alternative. Die Zeit nehmen wir gerne, denn statt unbestimmte Zeit zu warten, wedeln wir nun auf einem einspurigen, so holprigen Sträßchen, daß eine Gepäckrolle flüchten möchte. Die Flucht kann ich allerdings verhindern. Im nächsten Ort ist die Straßenführung wieder mal nicht erkennbar, so enden wir am Festplatz mit Kinderchor und Grill. Hier geht's nicht weiter. Schnell kommt ein junger Familienvater und will mir den Weg weisen, mit Spanisch kommen wir allerdings nicht so weit. Ein kurzes Gespräch, ein Weihnachtswunsch und wir hatten wieder einen netten Kontakt.

Auch der weitere Routenverlauf macht irre Spaß, endlose einsame Kurven über viele Bergrücken. Das gesamte Gebiet hier ist "vermint", d.h. hier gibt es sehr viele alte und neue Minen zum Abbau diverser Erze.
Zeit zur Schlafplatzsuche. Fündig werden wir auf einem Bergrücken, wo zwar auch Bäume stehen - aber leider zu weit auseinander. Macht nichts, der Untergrund ist steinig und ziemlich eben, da greife ich gerne wieder auf das Zelt zurück. Ich hoffe, hier oben lange Abendsonne und frühe Morgensonne zu haben - wir werden sehen.

Beim Abpacken stelle ich fest, daß die Steckdose zum laden des Laptops zerbrochen ist, Ersatz dafür habe ich nicht dabei. Also muss ich etwas kreativ sein und so wird das Ladegerät "fest" angeschlossen. Bin gespannt, wie lange das hält. Kleine Reparaturen fallen halt immer wieder mal an.

Freitag, 20. Dezember 2024

Immer noch in Portugal

In der Nacht scheint es kalt geworden zu sein, ich fröstle selbst in der Hütte bei eingeschalteter Heizung; die Fenster sind beschlagen. Darum wird es wieder spät, also halb 10 Uhr, bis ich frühstücke. Eine Stunde später ist dann Abfahrt - Carol und James verlassen ebenfalls das Haus und es gibt noch einen emotionalen Abschied. Mit James habe ich eine lockere Verabredung in Norwegen im nächsten Frühsommer - hoffentlich klappt das. Mein Dresscode ist heute eine lange Unterhose, einen dünnen Pullover und eine Daunenjacke unter den luftdurchlässigen Motorradklamotten - hat sich bewährt. Der Regenanzug ist gut verpackt... Wir liegen mit der Zeit gut im Trend, auf den Zitrusplantagen startet gerade die Ernte.


Die Route führt wieder nach Norden über die Berge - hier ist es einfach viel schöner, einsamer und sauberer. Hirten ziehen mit ihren Schaf- oder Ziegenherden über die jetzt grünen Felder einer lieblichen Landschaft. Gemütliche Asphaltsträßchen winden sich zwischen Oliven-, Kiefern- und Korkeichenhainen durch Täler oder über mittlere Pässe. Gelegentlich dürfen wir auch ein paar Serpentinen genießen. Die Sonne strahlt vom türkisblauen Himmel, mein Herz kommt in Wallung und auf meinem Gesicht macht sich ein glückliches Lächeln breit - wo ich doch heute morgen gar nicht "raus in die kalte, feindliche Welt" wollte. In manchem Ort wähnt man sich am Ende der Welt und traut sich kaum, eine schmale Einfahrt zwischen den Häusern zu erkunden, um dann jedoch hinter den nächsten Kurve wieder ein wunderschönes Sträßchen zu entdecken. Nach knapp 50 km weisen uns Straßenschilder den Weg nach Californien - hab ich in Erdkunde was falsch verstanden? Ein Abschnitt zwischen Ameixial und Dogueno fährt sich wie eine Motorradrennstrecke; einige Rennfahrer sind auch unterwegs, selbst die Lisl fällt wie von selbst in schöne Schräglage und wedelt durch die Kurven. In Deutschland oder Österreich wäre diese Strecke bestimmt schon für Motorräder gesperrt. In Mertola führt eine Brücke über den Fluß, der weiter südlich die Grenze zwischen Portugal und Spanien bildet. Bereits zum zweiten mal fahren wir nun hier entlang, denn es gibt kaum Grenzübergänge zwischen den beiden Ländern. Ein kleines Stück bleiben wir jedoch noch auf portugiesischer Seite und finden am frühen Nachmittag am Rande einer Ortschaft ein wunderschönes Erholungsgebiet. Mittagessen gibt es hier in der warmen Sonne und ich möchte eigentlich gar nicht mehr weiterfahren. Erst ca. 130 km haben wir zurückgelegt, mein Tagesplan ist jedoch fast erreicht und ich bin sicher, innerhalb der nächsten 50 km werde ich keinen sooo tollen Platz mehr finden. Darum bleiben wir heute hier und lassen es uns gut gehen!


Es gibt auf dem Parkplatz auch passende Bäume für die Koje, aber entlang des Ufers sind herrliche, ebene Terrassen angelegt, auf die die Sonne scheint. Zum Zelten ist das nicht schlecht und das Billigzelt muss ja auch mal ausprobiert werden. Es ist erstaunlich schnell aufgestellt, kaum größer als die Koje aber innen sehr viel wärmer, da der Wind vollständig abgeschirmt wird. So strecke ich die Füße in die Sonne während das Laptop im Schatten gut sichtbar bleibt. In Windeseile wird es allerdings kalt, sobald die Sonne um 17 Uhr hinterm Berg verschwindet.


Donnerstag, 19. Dezember 2024

Probefahrt

Draußen rauscht es - es gießt in Strömen. Also drehe ich mich nochmal um und warte, bis der Regen aufhört. Heißt trotzdem: die ungeliebten Regenklamotten anziehen. Heute kann ich meine Lisl wieder abholen. Da ich am Leihmotorrad natürlich keine Navi-Halterung habe, bleibt das Gerät in der Jackentasche und ich muss "auswendig" fahren, was natürlich zum ein wenig verfransen führt. Aber wir kommen trotzdem an. Es wird eigentlich nicht viel gesprochen: alles ok? Fröhliche Weihnachten. Das war's. Ja, sie haben eine Probefahrt gemacht (Lisls Tacho spricht von 15 km), ich lege gerne noch eine Schippe drauf und wir machen uns nochmal auf nach Lagos. Ich bin zwar schon mal mit der Bummelbahn dort gewesen, aber jetzt darf die Lisl auch dorthin - auf der Bummelstraße. Sie ist viel befahren und führt unentwegt durch bewohntes Gebiet - es ist nicht schön zu fahren. Dafür ist es jetzt trocken und es herrschen 22 Grad!

Die Lisl ist das glatte Gegenteil der geliehenen 310er: Sitzhöhe (besonders jetzt, wo die Lisl ein "naked bike" ohne Gepäck ist), Sitzposition, Gewicht, Kupplungseinstellung, Schaltzeitpunkt und Drehzahl / Drehmoment...

In Lagos kreuzen wir ein wenig durch die Innenstadt, d.h. kleinste enge Gäßchen, steil bergauf oder bergab, nur in einer Richtung befahrbar (meist in der falschen) und gelgentlich durch parkende Fahrzeuge komplett blockiert. Wir machen einen kurzen Asuflug auf die Klippen und ich kann betrachten, was ich schon vom Boot aus gesehen habe, nur in anderer Perspektive. Aber auch von oben sind die Klippen so phantastisch!

Die Rückreise führt uns durch bergiges, dünn besiedeltes Land und macht deutlich mehr Spaß. So darf es gerne weiterhin bleiben. Die letzten Kilometer tuckern wir durch Orangenhaine - am liebsten möchte man all die Orangen und Clementinen einpacken, aber Stauruam und Haltbarkeit sind ja leider begrenzt. Wieder zu Hause gibt's eine Endprüfung: alles scheint jetzt dicht zu sein! Soweit ich die Dinge heute nicht mehr brauche, wird bereits gepackt, damit ich morgen zügig aufrechen kann. Abends sitzen wir dann nochmal beim gewohnten Glas Wein zusammen, für die Hütte bekomme ich einen guten Freundschaftspreis.

Mittwoch, 18. Dezember 2024

Restaurant-Test

Wieder ist ein Tag warten angesagt. Ein bisschen lernen, aber lange habe ich dazu keine Lust. Um die Mimttagszeit mache ich mich auf die Socken - in ca. 1 km Entfernung gibt es ein Restaurant. Das wird heute getestet. Ich verstehe kein portugiesisch und die freundliche Wirtin kann kein englisch, also nehme ich einfach die Empfehlung des Hauses. Es stellt sich als Gulasch mit Bratkartoffeln heraus. Gut, aber zu viel, also lasse ich den Rest einpacken. Auf dem Heimweg schnappe ich noch ein paar übriggebliebene Orangen und Clementinen. Es ist Erntezeit und die reifen Früchte sind größtenteils schon abgeerntet.



Am Nachmittag frage ich mal in der Werkstatt nach - die Lisl ist fast fertig, aber sie wollen noch eine Probefahrt machen, was ich gut finde. Ich werde morgen hinfahren. Vielleicht fahre ich danach noch nach Lagos - einerseits aus Interesse und andererseits um die Lisl auf Dichtheit zu prüfen. Zumindest ist das der Plan. Am Abend sitze ich dann wieder bei einem Glas Rose mit Carol zusammen (James ist unterwegs) und wir politisieren ein wenig.