Als ich mich schon im Zelt verkrochen habe, spricht mich noch ein junger Mann an, weil an der Lisl "was leuchtet". Das ist sehr nett gedacht, aber kein Problem. So kommen wir in ein nettes, längeres Gespräch, bis es uns beiden zu kalt wird. Sternklare Nacht und ein sonderbares Phänomen: ein paar orangerote Streifen im Dreieck ziehen vorbei - ob das beleuchtete Vögel waren?
Mittwoch, 15. Januar 2025
Hm...
Dienstag, 14. Januar 2025
Rekonvaleszenz
Ein bisschen Gymnastik für mich und Sonne-sitzen. Sonst nix.
Montag, 13. Januar 2025
Die Schwindelei geht weiter
Trotz Bett ist mir am Morgen nicht gut. Der Schwindel meldet sich zurück. Im Internet gibt es gute Übungen gegen Schwindel, die ich brav durchführe. Hilft nix. Übergeben. So eiere ich durch's Badezimmer, nutze die wirklich gut funktionierende Dusche und suche meine sieben Sachen zusammen - um 11 Uhr muss das Zimmer geräumt sein. Die Hoffnung, dass der Schwindel beim packen nachläßt (wie gestern) zerschlägt sich leider. Ich sitze in der Falle. Eigentlich dürfte ich in diesem Zustand nicht Motorrad fahren, denn jede Augen- oder Kopfbewegung läßt die Umgebung in's Schwanken geraten, die Knie bestehen aus Wackelpuddiing. Ganz schön anstrengend, bis wir aus der Stadt draußen sind.
Ich habe den Plan aufgrund der Umstände geändert, werde heute eine gerade Autobahn bevorzugen und möchte an die Küste Richtung Almeria, in der Hoffnung, es dort etwas wärmer zu haben. Wir bewegen uns immerhin meist auf annähernd 900 m Höhe! Alle Routen durch die Berge verlaufen ziemlich einsam, keine Hostels verfügbar und auch sonst wenig "bequeme" Übernachtungsmöglichkeiten. Mit gemütlichen 80 km/h rollt die Lisl die Bahn entlang - anhalten ist abgesagt, darum gibt es auch kaum Bilder. Beim Start hat das Thermometer 2,5 Grad angezeigt, jetzt immerhin um die 10. Die Strecke verläuft über die Berge, einmal steigen wir auf 1100 m, ein anderes mal sogar über 1400 m! Saukalt ist es da! Vor bzw. neben uns liegen schneebedeckte Berge, die muss ich heute wirklich nicht haben. Unter 900 m wird es dann merklich wärmer.
Einige Zeit nach einem Tankstopp mit Croissant fühlt es sich etwas stabiler an - tatsächlich!Die nächste Servicestation prahlt mit Restaurant - das ist was für mich. Nur Motoröl gibt es jedoch, kein Restaurant weit und breit. Also begnüge ich mich mit einer Tüte Chips und einem Schokoriegel - sehr gesund. Immerhin gibt es dort einen riesigen, staubigen Platz zwischen sehr interessant aussehenden Bergen und Tälern. Toller Ausblick.
Meine Apps zeigen mir nördlich von Almeria einen Campingplatz sowie einen wilden Campspot. Das werden wir austesten. Der Campingplatz ist großartig ausgeschrieben, aber dann nicht mehr zu finden, dafür finde ich einen Parkplatz am Strand, wo ich hinter einem alten Turm das Zelt aufschlagen kann. Auf der anderen Seite des Turms gibt es ein kleines Café, das allerdings jetzt schon schließt und leider nicht ohne weiteres Steckdosen zur Verfügung hat. Für einen warmen Tee reicht es jedoch noch zum Sonnenuntergang. Obwohl ich heute ja eigentlich keine großartigen Herausforderungen bewältigen musste, bin ich jetzt ganz schön kaputt.
Sonntag, 12. Januar 2025
Schwindel
Mein Pack- und Zusammenräumtempo ist sehr langsam, allmählich läßt der Schwindel nach. Kurz vor 12 Uhr bin ich dann soweit und fühle mich fahrbereit, ebenso wie die Lisl. Ich beiße in den "sauren Apfel" und buche mir ein Hostel in Jaén und dann gehen wir die Tour im Oma-Tempo an. Nach der gestriegen Erfahrung habe ich heute die Regenjacke übergezogen - es regnet zwar nicht, aber sie hilft ebenfalls gut gegen Kälte und Wind - perfekt für heute.
Wir treiben uns die meiste Zeit auf ca. 1000 m Höhe herum. In Alcalá la Real führt der Weg erst zur Burg hinauf und dann durch die enge Altstadt so steile Sträßchen hinunter, daß ich die Lisl ordentlich würgen muss - 1. Gang und beide Bremsen. Ich fühle mich mittlerweile wieder wohl auf meiner treuen Lisl. In der nächsten Ortschaft verpassen wir die richtige Abzweigung zuerst, denn sie ist praktisch unsichtbar zwischen all den schmalen Fußwegen und verwinkelten Gäßchen. Als wir sie gefunden haben, treffen wir auf ein kleines, ziemlich löchriges Sträßchen, das uns alleine gehört. Hier darf die Lisl auf 1212 m hoch kraxeln und einen Olivenbauern bei der Ernte stören, der sein Netz über der Straße ausgebreitet hat. Noch ein Pass: 1326 m und 15 Grad, die sich allerdings einiges kälter anfühlen. Wieder mal herrliche Berglandschaft!
Den Fahrtag heute habe ich genossen, jedoch nicht zu lange gehalten. Nach ca. 150 km erreichen wir unser Hostel. Hier geht alles ohne Personal: Anmeldung über online-Registrierung, die Haustüre öffnet sich angeblich auf Basis einer Chatnachricht, die Wohnungstür wird mit einem Code geöffnet und in der Wohnung liegen die Zimmerschlüssel in einem Tresor mit Geheimnummer. Ich scheitere bereits an der Haustür - auf eine Chatnachricht geschieht gar nichts. Es gibt eine Telefonnummer - die Dame spricht jedoch ausschließlich spanisch und nach langer Wartezeit und sehr kurzem Kontakt fliege ich aus der Leitung. Mehrere weitere Anrufe hänge ich erfolglos in der Warteschleife. Nach ca. 10 min verläßt jemand das Haus und gibt mir damit die Möglichkeit, ins Haus zu kommen. Es gibt zwar noch weiter Disfunktionalitäten, aber immerhin komme ich rein und raus, habe ein Bett, eine Heizung und ein Gemeinschaftsbad - was will man mehr?
PS: der Schwindel hat sich heute nicht mehr gemeldet.
Samstag, 11. Januar 2025
Vom Winde verweht
Um halb acht, als ich mit Kopfschmerzen und Übelkeit unruhig werde, ist es noch stockdunkel. Ich habe keine Sekunde geschlafen. Die ganze Nacht hat es gestürmt und in unregelmäßigen Abständen von 5-10 min hat eine Bö die Zeltwände zum knattern gebracht und meiner Koje einen kräftigen Schubs gegeben. Als ich dann aufstehen will, treffen Scharen von Wanderern ein, die alle an meiner Koje vorbei müssen - ziemlich unangenehm für die Morgentoilette. Die Koje hängt noch und ich nestle ein wenig an der Lisl herum, da patroulliert die Polizei, wendet am Tor und schleicht mit einem freundlichen Grinsen an mir vorbei. Entweder freuen sie sich, daß ich schon packe oder sie haben die Koje gar nicht gesehen.
Um 10 Uhr sind wir unterwegs, erst auf der welligen Erdpiste, dann auf der kurvenreichen Bergstraße, die größtenteils feucht ist. Es hat also heute Nacht hier geregnet. Erstes Ziel ist Marbella, dort möchte ich den gestrigen Blog hochladen. Die Lisl bekommt Sprit und Luft (die kostet 1 € für 5 min!). Allerdings nutze ich die Restzeit meines Vorgängers, der mir sogar noch hilft. Endlich finde ich ein Stückchen Strandpromenade. Tatsächlich ist dort bereits ein Cafe geöffnet, aber das ist so proppenvoll, dass ich keinen Platz bekomme. Also erledige ich die Internetsachen auf einer Bank. Es ist so heiß, daß ich schnell wieder verschwinde.
Richtung Malaga müssen wir leider ein Stück Autobahn fahren, bevor wir in's Landesinnere abbiegen können. Eine große Tafel warnt die Verkehrsteilnehmer "Achtung Bergstraße" - wir sagen "juhu Bergstraße"! Frisch betankt und belüftet zieht die Lisl durch die herrlichen Kurven. Ich muss mich ein bisschen konzentrieren, darum bekomme ich leider vom wunderschönen Ausblick nicht allzuviel mit. In den Bergen hier, gibt es nur Nobelquartiere und Ferienwohnungs-Bunker. Aber auch Bauruinen, von denen lediglich die Betonböden und Treppen vorhanden sind.
In den Berggipfeln hängen dicke, schnellziehende Wolken. Von dort bläst den ganzen Tag ein starker, böiger Wind, der die Fahrerei ganz schön anstrengend macht. Die Lisl muss den Lenker und ich den Kopf gut festhalten, wir fahren oft nur Schritttempo. Fotografieren ist nur sehr schwer möglich, da ich die Lisl im Stand kaum aufrecht halten kann. Auf einem kurzen Abschnitt nach Süden, lerne ich den Rückenwind sehr zu schätzen! Es ist heute ein ständiger Kampf mit dem Wind!
Schließlich geraten wir auf ein schmales, sehr schlaglochreiches Sträßchen, das eine Mischung aus Asphalt und Erdpiste besteht. Nach einigen Kilometern soll uns eine Barriere und ein Einbahnstraßenschhild stoppen, aber da es keine Alternative gibt, fahren wir erstmal weiter. Eine weitere Barriere nach vielen Kilometern, eine abgerutschte Straße und ein Felsblock auf dem Straßenrest sind für uns aber kein Hindernis und so passieren wir problemlos diesen Abschnitt. Kurz darauf schon wieder eine Sperrwarnung, die wir wieder ignorieren. Im weiteren Verlauf gibt es keinerlei Hiindernisse. Ab und zu türmen sich dunkle Wolken über uns auf und kurz erwischen wir sogar ein paar Nieselregentropfen.
In Alfarnate, einem kleinen, abseits liegenden Städtchen, zeigt mir die App einen Wohnmobilstellplatz, den wir kurzerhand ansteuern. Wenige WoMos stehen hinter einer Turnhalle, daneben schließt sich der Stadtpark an. Da finden sich ein paar Bäume. Der Wind hat leider nicht nachgelassen - ich hoffe, diese Nacht wird ruhiger!
Als ich mich auf die Socken mache, ein Cafe zu finden, stelle ich fest, daß die Zeltunterlage mit den darin eingewickelten Ölflaschen fehlt. Aber die habe ich vermutlich schon gestern verloren, oder noch vorher. So unaufmerksam bin ich. Der Verlust ist verschmerzbar. Ins Dorf sind es gut 5 min zu Fuß. Nach mehreren Versuchen finde ich schließlich eine Bar, die geöffnet hat und auch einen Tee anbietet. Allerdings herrscht sehr lautes Getöse und Selbstbedienung. Leider gibt's auch keine Steckdose für meine Gerätschaften.
Freitag, 10. Januar 2025
Road-meeting
Sehr gemütlich verläuft der Morgen mit diversen Erledigungen und Verabschiedungen, so daß wir erst um halb zwölf losrollen. Dabei werden wir sogar noch von einigen WoMo-Bewohnern gefilmt. Blauer Himmel, Sonnenschein, nicht allzu kalt - so macht das Fahren Spaß! Holzfeuer in den Olivenhainen verbreiten einen feinen Geruch, den Rauch inhaliere ich sehr gerne. Kegelige Berge und schroffe Felsen zeichnen sich scharf gegen den strahlend blauen Himmel ab. Ein tolles, kurviges Sträßchen führt uns nach Olivera, wo sich Freunde heute eine Wohnung anschauen. Ich schaue mir das nette Städtchen kurz an: es ist schon faszinierend, wie die Häuser an den steilen Felsen kleben und zwischendrin Gäßchen freigeben, die bestimmt 50% Steigung haben und so schmal sind, daß ein "normales" Auto gerade mal ohne einklappen der Außenspeiegel durchpaßt. Anhalten darf bzw. kann man hier nicht.... Hinunter geht's in ein enges Tal, wo ein dichter alter Olivenwald ein schmales Rinnsal säumt.
Kurz vor Setinel verzweigt die Straße, wir nehmen die schönere Route unten im Tal. Bis zum Ortseingang, denn ab hier dürfen wohl nur "Berechtigte" weiterfahren. Das sind wir doch sicher!? Sehr enge Gäßchen und Kurven führen uns zu einem kleinen Platz. Von rechts will ein Auto durchfahren, aber wir sind im Weg, also rollen wir etwas zur Seite. Das Auto ist die Polizei - Mist. Verständnislos schaut der Polizist aus dem Fenster und zuckt mit den Schultern. Ein Passant weist mich auch die vielen Einbahnstraßenschilder hin - hier geht nichts mehr weiter. Also flüchten wir eben wieder zurück und nehmen die die Bergroute. Hat sich trotzdem gelohnt.
Cuevas del Beccero klingt nach faszinierenden Höhlen, darum fahren wir einfach mal in den abseits liegenden Ort hinein. Am Ortsende führt ein schmaler asphaltierter Feldweg weiter, bin gespannt, ob und wann hier Höhlen kommen? Fehlalarm - schade. Hunger! Am Straßenrand mitten in der Landschaft halte ich an - hier kommt sicher sehr selten jemand vorbei. Ich genieße die Reste vom gestrigen Grillteller auf einer Semmel. Als ich zusammenpacke, kommen mir zwei Enduristen entgegen. Sie fragen auf englich, ob alles in Ordnung ist - aber ja. Woher kommt wer? Letztendlich sprechen alle Deutsch, das macht die Sache einfach. Die Jungs nehmen die Helme ab und sie kommen ins Gespräch mit der motorradfahrenden Oma. Da jetzt doch ein Bauer vorbei will, schieben die Beiden ihre Maschinen auf die Seite und wir quatschen weiter. Sehr hilfreiche und nützliche Informationen für beide Seiten können wir austauschen, dann zieht jeder mit guten Wünschen wieder seiner Wege. Das war ein sehr lustiges Treffen!Das Sträßchen endet zwar nicht, geht aber nach einiger Zeit doch in einen roten Erdweg über. Für uns kein Problem. Es gibt nur zwei Stellen, die uns etwas fordern: einmal müssen wir zwischen tiefen Spurrillen bergab balancieren, dann bremst uns eine sehr schlammige Kurve. Aber im Oma-Tempo schaffen wir das - hat Spaß gemacht.
Weiter geht's Richtung Marbella auf kurvigen Strecken durch herrliche Berglandschaft. Dann lockt uns ein Hinweisschild zu einem Refugio, dort ist ein Parkplatz eingezeichnet. Ein schmales Sträßchen führt uns durch Wald und zwischen steilen Bergen hindurch, zu guter letzt wird es noch ein Stückchen Erdweg, dann ist an einem Tor Schluss. Von hier aus führt ein Wanderweg zu einem Aussichtspunkt über Marbella. Die Entfernung wird mit gut 1 km angegeben - na, das schaffe ich doch. Habe mich leider verschätzt: in voller Montur stiefle ich los, dann nehme ich eine "falsche" Abzweigung und gelange über einen rauhen, steilen Waldweg auf eine kleine Plattform. Ja, man hat hier schon einen schönen Blick, aber das war nicht das angegebene Ziel. Dorthin habe ich aber jetzt schon die Hälfte, also geht's weiter...und weiter...und weiter. Schließlich erreiche ich am Ende eines breiten Erdweges die erwünschte Plattform, genieße kurz den Ausblick und eile dann wieder zurück, denn die Sonne schwindet schon. Jetzt bin ich sicher gut eine Stunde gelaufen!
Ein Mann hat mir gesagt, man dürfe hier nicht zelten, die Polizei würde das sehr teuer bestrafen. Aber schlafen darf man schon, nur eben kein Zelt aufstellen. Aber die Hängematte? Ja, die sollte erlaubt sein. Ich finde zwei passende Bäumde am Straßenrand über einem steilen Abhang, wo ich meine Koje aufhänge. Dann setzt ein heftiger Wind ein, der die Hängematte weit über den Abgrung hinausbläst, da wird mir mulmig. Das möchte ich nicht erleben, wenn ich drin liege. Also ziehe ich um. Einzige "vernünftige" Chance ist das geschlossene Tor und ein dahinter stehendes Hinweisschild - warum nicht? Auch hier bläst der Wind und rüttelt unangenehm am Bett, aber immerhin ist der Abgrund ein bisschen weiter weg.
Hier im Wald zwischen den Bergen ist das Internet unterirdisch, darum werde ich den Post erst morgen veröffentlichen oder mit Bildern bestücken.
Donnerstag, 9. Januar 2025
Päuschen
Keine Fotos und kaum bericht heute, denn ich bin in Algodonales unterm Zeltdach geblieben, das mich gut trocken und warm gehalten hat. Regen und Sturm hören zwar am späten Vormittag auf, aber meine Ausrede ist, dass noch alles naß ist. Stattdessen kümmere ich mich ein wenig um die administrativen Dinge, das Studium und Rechnungen bezahlen. Das ist gar nicht so einfach, denn die Handyapp meiner norwegischen Bank funktioniert nicht mehr. Mit einigem Aufwand und Hilfe gelingt der Zugriff aber nach einer Stunde.
Am Nachmittag werde ich von WoMo-Nachbarn zum Tee mit restlichen Weihnachtslebkuchen und quatschen eingeladen, am Abend versuche ich nochmal ein Abendessen in dem gestern vergeblich angelaufenen Restaurant.













































