Montag, 30. September 2024

Rheinfähre

Bei Niesel- und Schnürlregen läßt man sich mit dem Aufbruch gerne Zeit, besonders wenn es so ein opulentes Frühstück mit Backwaren gibt, die ich in Norwegen so sehr vermisse. Um halb elf sind wir dann doch endlich - gut gefüttert und wasserdicht eingapckt - auf Tour. Den Routenvorschlag meiner Navi-App, der weit nach Süden wieder über die Alb führt, verwerfe ich heute und nehme eine Abkürzung entlang der Südkante von Stuttgart. Die Großwetterlage veranlasst mich dazu. Tatsächlich zwingen und schlechte Sicht, wenig Straßenhaftung und schwache Brenswirkung in den Schneckenmodus. Schade um die schönen Kurven, die wir dennoch zu Beginn fahren dürfen. Im Großraum Stuttgart sind die vierspurigen Straßen, Ampeln am laufenden Meter, dichter Verkehr und von den Fahrzeugen aufgwirbelte Gischt nicht unbedingt unser Lieblings-Aufenthaltsort. Die Halterung für mein Navigationsgerät zitter (vor Angst?), sie wird heute Abend etwas Aufmerksamkeit benötigen.

Gegen Mittag bricht gelegentlich die Sonne durch, der Himmel wird blauer und zwischen all den Industriebauten tauchen von wenigen Sonnenblumen gesäumte Kohlfelder auf, an denen sich auch Fischreiher wohlfühlen. Die Straßen werden schmäler, der Verkehr nimmt ab und die Kurven nehmen zu - trotzdem fehlt heute die Hochstimmung. Meine Gedanken sind nicht hier, sie kreisen um die aktuelle Weltpolitik. Ich versuche, mein Weltbild auf den Prüfstand zu stellen, ob meine Ansicht begründet ist? Leider gelingt mir das nicht. Der Duft von frischem Holz steigt mir bei einem Sägewerk in die Nase und gleich danach findet die Lisl eine preiswerte Tankstelle. Pause. Ich möchte meiner Patentante zum 98-sten Geburtstag gratulieren, kann sie aber telefonisch leider nicht erreichen. Endlich gibt es andere Gedanken. In Schottland möchte ich einen ehemaligen Schulkameraden besuchen und bekomme von ihm einen Zeitplan - er ist viel beschäftigt. Leider passt das nicht mit meiner Streckenplanung zusammen, aber ich kann ja meine Planung ändern? Dann nehmen wir uns halt zuerst Irland und danach England vor? Ok, liebes Navi, neu planen. Es macht seinem Namen "kurviger" alle Ehre und findet jetzt wieder die besten Kurven im Nordschwarzwald!

Eine Fähre über den Rhein! Eine willkommene Abwechslung. Wir müssen ein wenig warten, bis das lange Ausflugsschiff vorbeigezogen ist. Wups, sind wir drüben und in Frankreich! Frankreich, das Land von Baguette, Croissant und Käse!!!  Ich bin gespannt, wie sich mein Navi im flachen Frankreich anstellt. Das Wetter ist weiterhin durchwachsen, sämtliche Feldwege sind aufgeweicht und unbefahrbar. Die Schlafplatzsuche gestaltet sich heute schwierig, zumal ich gerne ein Dach über mir hätte. Erst gegen halb sechs werden wir fündig und ich gebe mich mit einem Unterstand am Ortsrand zufrieden. Ich werde hier auf jeden Fall keine Koje aufbauen müssen, denn es sind ein paar breite Betonstufen vorhanden, die sich als Bett eignen.



Sonntag, 29. September 2024

Orte meiner Kindheit

8:30 Uhr - Unruhe und Blase treiben mich aus dem warmen Schlafsack. Das Zelt ist vom Kondenswasser klatschnass, das Thermometer zeigt 1,4 Grad an! Noch kälter als vorhergesagt! Später erzählt mir eine Verkäuferin, dass sie ihr Auto vom Eis frei kratzen musste - da hab ich ja noch Glück gehabt.
Während aus den Wiesen der weiße Nebel wunderbar steigt, bleibt ein älterer Spaziergänger mit Hund neugierig stehen und sieht mir beim Packen zu. Mein Nebenher-Frühstück besteht aus einer (gestern) frischen Brezel mit Frischkäse. Der ältere Mann traut sich nicht her, aber als ich ihn grüße taut er auf. Was ergibt sich? Natürlich - Benzingespräche! Er ist schließlich früher auch Motorrad gefahren....
Ich bin froh, mein Lager am entfernten Eck der Wiese aufgeschlagen zu haben, denn am Grillplatz hat sich mittlerweile eine Frühstücksgesellschaft mit vielen Autos versammelt. Das wäre ungemütlich geworden.

Als wir gegen halb elf erst loskommen, ist die Temperatur auf immerhin 8 Grad gestiegen. Trotzdem brrrr. An vielen Häusern in den kleinen alten Dörfern rauchen bereits die Kamine und es riecht so romantisch nach Holzfeuer! Das Navi ist heute toll - was es mir anbietet ist vom Allerfeinsten: kleine, dunkle, (15%)steile Waldsträßchen mit engsten Kurven, weite Täler mit langezogenen Schräglage-Biegungen, Serpentinen entlang senkrechter Felswände. Wir kommen aus dem Schwelgen gar nicht mehr heraus. Ebenso die Landschaft drum herum: felsige, tannenbewachsene Magerwiesen auf denene Schafte weiden - ich bin ganz aus dem Häuschen. Leider läßt sich das alles nicht in Bildern festhalten, nur für (hoffentlich) immer im Herzen.

Mittagspause ist in einem netten warmen Café mit lange vermißtem Zwiebelkuchen und natürlich einer Tasse Kakao als Kompensation zu dem eisigen Wind, der mir in die Ärmel pfiff. Am Nachmittag ist die Alb übervölkert mit Wanderern / Spaziergängern mit Kind, Kegel und Hund, Radfahrer, natürlich Sonntags-Motorradfahrern und insbesondere Sportwagen und Cabrios. Kindheitserinnerungen an sonntägliche Pflichtspaziergänge kommen hoch.

Dieser Asuflug über die Schwäbische Alb hat sich wirklich gelohnt! Ich wußte gar nicht, dass ich mal in so einer herrlichen Landschaft gelebt habe. Der letzte Streckenabschnitt zu meinem jüngsten Bruder führt mich nämlich an meinen Geburtsort und den Ort meiner frühen Kindheit. Von meinem Geburtsort weiß ich nur Name und Straße, nicht die Hausnummer. Aber ich war ja auch erst 1 Jahr alt, als wir dort weggezogen sind. Vom Ort meiner Kindheit habe ich nur ein Bild des Hauses und der näheren Umgebung vor Augen. Da Plüderhausen nicht ganz klein ist und sich in 60 Jahren ziemlich verändert hat, glaube ich kaum, dass ich das alte Forsthaus finden werden. Aber - wie man sich täuschen kann! Ich finde es, obwohl drumherum alles anders aussieht. Ein Detail an das ich mich immer erinnere ist tatsächlich noch vorhanden! Es ist eine kleine Tür mir halbrundem Ausschnitt - das war die Hundehütte, einer meiner Lieblingsplätze als kleines Kind. 

Mein Bruder wohnt gar nicht weit weg (war mir nicht bewußt). Wir verbringen einen schönen Nachmittag, der Abend vergeht wie im Flug bei interessanten Gesprächen und leckerer Verpflegung.






Samstag, 28. September 2024

Motorrad-Kurven-Paradies

In der Nacht hat es auf 7 Grad abgekühlt. Gegen 10 Uhr nachts kamen noch 5 bier-unterversorgte Jungs zum Automaten, neben dem ich lag, sie haben allerdings nur den Automaten angepöbelt, zu mir waren sie sehr höflich. Meine Bettflasche (Lenkerflasche mit heißem Tee) hat mich innerlich und äußerlich warm gehalten, so daß ich gut schlafen konnte. Das Wetter am Morgen ist allerdings alles andere als Motorradwetter - es regnet Bindfäden. Ich starte vorsichtshalber mal eine Suchanzeige für ein trockenes Bett an meinem heutigen Zielort. Das wird heute ein feucht-fröhlicher Tag werden. Alle Luken dicht machen - heißt: außer Regenkombi auch die Lenkerstulpen montieren und die Motorradbrille aufsetzen.
9:45 Uhr stürzen wir uns in den Tag. Wenn man hier wohnt, braucht man nicht in die Dolomiten fahren, die Kurven, die sich uns heut bieten sind ein Schmauß! Des öfteren bewältigen wir bis zu 200 Höhenmeter mittels Serpentinen bergab und wieder bergauf. Ganz kleine Sträßchen aber auch breite Straßen bieten ein herrliches links-rechts-links-rechts-Gefühl. Insgesamt 4 Straßensperrungen wollen uns an der Durchfahrt hindern. Am Samstag? Ne, nicht mit uns. Lediglich eine einzige Baustelle blockiert uns wirklich nach ca. 2 phantastischen Kilometern in einem kleinen Tälchen - das war den Weg aber auf jeden Fall wert! Auch ein Sperrschild bei einer Skihütte auf gut 1000m Höhe ignorieren wir geflissentlich. Sollten wir mal eine Abzweigung verpasst haben, keiin Problem: auch die nächste oder übernächste Straße ist ein Heidenspaß. Noch mehr natürlich nach einer Mittagspause zum aufwärmen, nach der es nur noch selten nieselt und die Straßen auf freier Flur sogar trocken sind.

Wir haben die Straßen meistens für uns alleine, passieren traditionelle Bauerndörfchen, deren einzig moderne Zugeständnisse ein Dorfladen oder ein Eier-Automat sind. Kürbisse und Äpfel werden vor der Haustür verkauft - hier ist die Zeit stehen geblieben und die Welt noch in Ordnung. Auf den Feldern lauern massenhaft Falken auf Beute.
Den ganzen Tag begegnen wir keinem einzigen Motorradfahrer! Obwohl wir sicher auch eine Motorrad-Rennstrecke unter die Räder nehmen. Zu erkennen an den Rüttelbalken in der Fahrbahn, Bremsspuren  und speziellen Motorrad-Warnschildern vor den Serpentinen. Zumindest die Saisonfahrer müssten doch jetzt noch eine Abschiedstour unternehmen? Weicheier! Trotz Regen und Kälte können mir Landschaft und Straßenführung mein Lachen wieder ins Gesicht zaubern. Das Herz springt vor Freude!

Eigentlich wollte ich wegen "schlechtem Wetter" im Club der freien Betten für Motorradfahrer unterschlupfen. Aber so kurzfristig meldet sich anscheinend niemand. Na ja, momentan ist es trocken und da taucht zur richtigen Zeit direkt an der Straße ein Spielplatz mit Grillstelle und Sitzgarnituren auf. Auch Parkplatz und eine Hütte sind dabei - leider auch ein Verbot für alles mögliche, unter anderem auch Übernachten. Der Grillplatz geht allerdings nahtlos in eine Wiese über, die von großen Birken gesäumt ist. Das andere Ende ca. 100 m weiter gehört sicher nicht mehr zum Grillplatz, beschließe ich, und ist eben auch ein Stückchen von der Straße entfernt. Während ich mich einrichte fängt es wieder an zu nieseln, kurz darauf scheint aber wieder die Sonne - sehr wechselhaft. Dafür bekommen wir einen wunderschönen Regenbogen präsentiert! Heute Nacht soll die Temmperatur auf 4 Grad sinken, das ist ja fast schon Frost! Da muss ich gut vorbauen.

Freitag, 27. September 2024

Weiter geht's

Das war eine arbeits- oder erlebnisreiche Woche in Aschbuch. Zuerst wurde die Lisl gestreichelt und gepflegt, so dass sie am Montag in aller Frühe den gestrengen TÜV-Prüfer mit einwandfreier Funktion überzeugen konnte. Wie immer hat er über den Kilometerstand gestaunt. Nach einem mittäglichen Notartermin in Ellwangen hat die Lisl dann noch ein (ganz) kleines Schwesterchen bekommen - "Talaria".

Am Dienstag unternehmen wir (Lisl und ich) dann einen Tagesausflug in das Chiemgau. Die vormittägliche Hinfahrt führt uns durch Hopfenfelder, Auen und Wälder, über randvolle oder überglaufene Flüsse. Mit sonorem Sound, perfekt am Gas hängend, leicht schaltbar und mit Dampf zeigt die Lisl, was sie ohne Gepäck so drauf hat. In der Nacht hatte es wieder geregnet und nun steht alles unter Wasser. Die Hopfenernte ist eine einzige Schlammschlacht, der von den Trekkern auf die Straße geschleppte Lehm macht den Untergrund extrem glatt. So genießen wir eben eine gemütliche Tour. Spät am Abend kehren wir (leider) über die Autobahn zurück, da es wieder regnet und bereits dunkel wird.
Die nächsten beiden Tage gibts noch einen neuen Vorderreifen und die kleine Schwester wird ein wenig ausgeführt.

Heute - am Freitag - ist um halb elf Aufbruch angesagt. Am Morgen möchte ich noch einmal kurz Spaß mit Talaria haben und produziere damit sogar das erste Wheelie meines Lebens. Grade mal 65 geworden und immer noch Blödsinn im Kopf! Ciao Aschbuch mit Allen und Allem was dort bleibt.

Von meiner bayrischen Heimat cruisen wir durch das Altmühl- und Gailaachtal in Richtung "alte Heimat", in's Schwäbische. Die Schwäbische Alb möchte ich noch einmal sehen. Ach, hab ich so viele Heimaten (neue Heimat in Norwegen) - aber ich glaube beinahe, meine eigentliche Heimat ist auf Lisls Rücken, egal wo auf der Welt wir gerade sind! Es ist kühl, die Straße ist trocken und die Sonne scheint. Ich erwische mich mit breitem Grinsen im Gesicht, singend. Der Kompass zeigt eine mir sehr vertraute Richtung aber mein Navi findet phantastische Alternativen, die ich noch nie gefahren bin! Asphaltierte Ortsverbindgungswege, sogenannte Promille-Sträßle. In der Nähe von Nördlingen kreuzen wir die Wörnitz, ebenfalls randvoll, auf einem hübschen steinernen Brückchen.

Ich bin zu dünn angezogen für die Temperaturen, aber ich möchten so lange wie möglich den ungeliebten Regenanzug vermeiden. Um 12:30 kündigen die ersten Tropfen den für 13 Uhr angesagten Regen an und ich muss nachgeben. Immerhin macht der Anzug nicht nur trocken sondern auch wärmer. Ortsnamen gibt es, die sind schon sehr lustig: Untermagerbein! Gegen 14 Uhr sitzen wir den heftiger gewordenen Regen in einer Backstube aus. Der restliche Nachmittag wird allerdings nicht viel heller. Kalter Herbstwind pfeift uns um die Ohren und piesackt mich mit nadelspitzen Tropfen im Gesicht. Ganz kurvenwohl fühlen wir uns leider auch nicht auf dem frischen, nassen Laubteppipch. Schade, denn es gibt wunderschöne Kurven.

Ein Schild zur Sontheimer Höhle fällt mir ins Auge - Höhlen über immer eine Faszination auf mich aus. Kurzerhand biegen wir auf den Feldweg ab und kommen nach wenigen Kilometern an einen Parkplatz, der für Wohnmobile eingerichtet zu sein scheint. Aber es gibt auch einen Weg dirket zu Höhle, der gehört jetzt uns. Die Höhle ist (wie befürchtet) nur mit Führer zugänglich; morgen ab 14 Uhr. Allerdings gibt es ein Gebäude mit Restaurant und Biergarten, das jetzt natürlich geschlossen und verlassen ist. Aber: gratis Strom für E-Bikes (das geht sicher auch für Laptops) und freies Internet siind purer Luxus.

Gegen 18 Uhr kommt ein Auto - die Dame räumt ein bisschen im Haus, dann haben wir noch ein sehr nettes Gespräch und sie hat überhaupt nichts dagegen, daß wir hier übernachten. Sie bewundert es sogar. Wir haben 12 Grad und morgen früh soll es bis 7 Grad sinken - brrr. Später kommt noch ein Päärchen vorbei, das mit dem WoMo oben auf dem Parkplatz steht - auch wir quatschen lang und nett.

Samstag, 21. September 2024

Freitag, 20. September 2024

In Deutschland

Während meiner Morgenroutinen kommt tatsächlich ein Auto über den Hügel (bis zu meinem Platz sind es 650 m). Es hält allerdings vorher, der Bauer erledigt etwas und verschwindet wieder. Bereits um 9 Uhr sind wir on the road. Auf unserer Fahrt zwischen den hochliegenden Weiden lacht uns die Sonne an, während es in den finsteren Wäldern weiter unten doch zum frösteln kühl ist. Es ist ein wunderschöner Morgen mit wieder genußreichen Sträßchen.

Gegen Mittag erreichen wir die tschecisch-deutsche Grenze. Leider ist der Spritpreis hier schon fast der selbe wie auf deutscher Seite - im Landesinneren war es noch 30 ct billiger. Auch noch irgendwelche Lebensmittel einzukaufen lohnt sich absolut nicht.
Da es in Deutschland ja kaum umbefestigte Wege gibt, die nicht verboten sind, stelle ich das Navi nun nochmal 2 Stufen härter: auch Hauptstraßen vermeiden und darf auch unbefestigte Wege fahren. Wups, wird meine Route 20 km länger.Zu Beginn stimmt zwar die Richtung überhaupt nicht, dafür dürfen wir noch ein paar schöne Nebensträßchen erleben, dann aber kommen wir immer häufiger auf größere und befahrenere Straßen. Hm, so war das nicht gedacht. In Wackersdorf ist mal wieder gesperrt. Mein Navi ist ziemlich ratlos und ich suche selbst. In dieser Zeit kommt ein motorradbegeisterter Radler an und gibt mir Tipps: die vom Navi vorgeschlagene und von mir favorisierte Route ist leider auch schon seit ewigen Zeiten gesperrt. Es gibt keine "schöne" Alternative. Er schlägt mir aber eine ganz andere, sehr schöne Strecke vor, nur führt die leider nicht nach Aschbuch. Wir sind ja schon fast in der "alten Heimat", da können wir eigentlich auch auf das Navi verzichten.

Auf den letzten Kilometern kann ich schon die ersten Dinge meiner Checkliste erledigen, bevor wir überhaupt in Aschbuch ankommen. Nun stehen noch einige Aktivitäten aus, d.h. jetzt gibt's erstmal eine Blogpause. Ich schätze für ca. 1 Woche.


Donnerstag, 19. September 2024

Sächsische Schweiz

Bunge und ich frühstücken alleine und philosophieren über das Leben und das Weltgeschehen. Schön war's, aber jetzt um 10 müssen wir weiter! Sanfte Hügel und Kurven führen uns innerhalb kürzester Zeit in ein so herrlich enges, wildes Tälchen. Einfach nur Wow! Nicht mur die senkrecht aufragenden Felsen, auch das kleine uns begleitende Bächlein, die unerreichbaren, gefallenen Bäume und der dichte Wald sondern auch die herrlichen Kurven versetzen mich in Euphorie. Die Lisl bekommt ein Temposignal und kümmert sich um den Rest. Zurücklehnen, schauen und genießen. Gesperrt (wegen Jagd)! Umleitung? Keine. Das Navi sucht, aber wir müssen trotzdem ein Stück zurück. Na ja, ist ja ein tolles Sträßchen und in der anderen Richtung gibt es wieder ganz neue Ausblicke.

Manche Verbindungsstücke müssen wir über größere Straßen bewältigen, aber mein Navi findet immer wieder Abwege - sind zwar Umwege, aber jedesmal sehr lohnenswert! Bis Altenberg an der tschechischen Grenze kommen wir gar nicht, da uns mindestens 4 verschiedene Sperrungen davon abhalten. Plötzlich sind wir jedoch drüben, ohne es bemerkt zu haben. Die Miniwege sind manchmal kaum zu finden, sehen wie Hofeinfahrten aus. Auf einem dieser Wege haben wir anscheinend die Grenze passiert. Dann scheinen wir auf einem Höhenradweg gelandet zu sein, so viele Radler treiben sich hier rum. Aber wir sind ja auch Radler - was ist schließlich der Unterschied zwischen einem E-Bike und einem Benzin-Bike? Unendlich viele Kurven und Kehren! Ein Schwelgen! Und das ganze bei allerbestem Reisewetter: 25 Grad, leicht bewölkt und ein bissschen Wind.

Unmerklich sind wir in die Ebene gekommen und haben das Erzgebirge verlassen; da hab ich wohl nicht aufgepaßt und mich zu sehr auf das Navi velassen? Aber in den Bergen führen die Straßen meist in Nord-Süd-Richtung, da wären wir nicht weiter gekommen. Also akzeptieren wir die vorgeschlagene Route, selbst wenn sogar ein Stück Autobahn dazu gehört. Da machen wir halt ein paar Kilometer. Auch für eine Mittagspause ist die Route geeignet, denn wir kommen durch ein paar Städte. Ein Supermarkt lockt mich nach drinnen - als ich wieder herauskomme, ist alles naß! Da war doch glatt inzwischen ein Regenschauer! Die Pause findet dann auf dem Parkplatz statt aber wird leider vom nächsten Schauer gestört. Nix wie weg hier, die Regenklamotten bleiben im Packsack, ich entscheide, daß dies nur ein lokaler Schauer ist. Er reicht zwar zum naßwerden, aber ich liege richtig - schon bald sind wir wieder trocken.

Eine Straßensperrung, ha ha. Die Umleitung sieht lang aus, daher suche ich einen Strich auf der Landkarte, das muss eine Straße sein. Stimmt - allerdings ein schmaler Betonplattenweg. Macht auch Spaß.

Lagerplatz? Schwierig. Der Boden ist aufgeweicht, alle Wiesen abgezäunt, die Wälder zu dicht und kein Eingang. Schließlich findet sich ein offenes Weidetor und wir fahren lange über die Wiese bis zu einer kleinen Baumgruppe. Von der Straße her ist der Platz nicht mehr einsehbar, da hinter der Bergkuppe versteckt. Bäume gibts genug hier auch im passenden Abstand. Aber teilweise sind sie so dick, daß der Baumgurt gar nicht herumreicht. Auch ein kräftiger Wind macht mir zu schaffen, habe die Koje ja noch nie bei Wind oder Sturm ausprobiert - also wieder ein Novum. Auf der Windseite lasse ich das Tarp herunter und fixire es am Boden. Solange die Sonne noch scheint, setze ich mich neben der Lisl auf die Wiese und genieße die Einsamkeit. Sobald die Sonne aber hinter den Baumwipfeln verschwindet wird es kühl und ich suche Schutz in der Koje. Auf jeden Fall haben wir heute mal KEINE Schnaken! Die Lisl darf in ca. 25 m Abstand auf der Weide grasen.


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