Donnerstag, 29. Mai 2025

Gewitter am Morgen - Kummer und Sorgen?

Beim nächtlichen Toilettengang liegt der See spiegelglatt in der nächtlichen Sonne. Trotz Eiseskälte schlafe ich anscheinend gut und lang, denn kurz nach 9 Uhr weckt mich ein Anruf von Josef. Ich habe bei ihm eine Übernachtungsmöglichkeit für morgen angefragt. Der Wetterbericht sagt für heute gutes Wetter und für morgen wieder naß an. Meine Klamotten sind natürlich in der Nacht nicht getrocknet!
Während ich zusammenpacke erreichen uns die schwarzen Wolken aus dem Süden - es hagelt. Dann wechselt alles im Minutentakt: Gewitter, Wind, Sturzregen, trocken, Nieselregen...das kann ja wieder lustig werden. Ringsum Donnergrollen.
Irgendwann (11 Uhr) breche ich dann doch auf, ich muss ja weiter, es hilft nichts. Richtung Süden wird es bald trockener, die Sonne taucht auf und bei den stündlichen Tankpausen kann ich mich sogar in der Sonne wärmen.Die Luft ist trotzdem kalt, d.h. der Fahrtwind läßt mich weiterhin frösteln. Vor uns türmen sich weiße Wolken und täuschen uns schneebedeckte Gebirge vor.
Es gibt keine Besonderheiten oder Abenteuer: Hägar rollt leichtfüßig zwischen 70 und 80 km/h dahin. An Steigungen schnauft er schwer bei knapp über 50 km/h, dafür freuen wir uns bergab über flotte 90! Die Entfernungen zwuschen den Orschaften werden langsam geringer und die Orte größer. Statt 2-3 Häusern finden sich nun 20-30 Häuser, manchmal sogar ein kleiner Supermarkt anstelle der "digitalen Landhandel", wo man sich selbst bedient aber nur mit dem schwedischen Bezahlsystem Zugang bekommt.

Mittwoch, 28. Mai 2025

Regen, Regen, Regen...

Bereits am frühen Morgen fängt es an - es nieselt. Direkt am Polarkreis! Um halb sieben nutze ich ein kurzes Fenster, um schnell aufzubrechen und das Zelt möglichst trocken einzupacken. Grade so geschafft - dann nieselt es wieder. Der Inlandsvägen (E45) ist eine breite gute Aphaltstraße - das war 2028 noch nicht so, als Hägar nach Norden ausgewandert ist. Damals waren das hier alles noch Schotterstraßen. Alternative Wege zeigt das Navi schon an, aber das sind ebenfalls alles Schotterwege und bei diesem Wetter machen die nur Dreck, keinen Spaß. Ich will nur weg vom Regen.

Um 7:45 Uhr sind wir "on the road", ein großes Rentier begrüßt uns mitten auf der Straße.  Wir schnappen jede auftauchende Tankstelle, ansonsten sind die Abstände für Hägar zu groß. Um halb elf machen wir einen Abstecher von der Umgehungsstraße, direkt nach Arvidsjaur, um zu tanken und mich aufzuwärmen. Nach einer guten Stunde mit warmem Kakao und Zimtschnecken bin ich immer noch nicht richtig warm oder trocken, aber trotzdem geht's jetzt weiter. Weg hier.

Von Arvidsjaur bis Sorsele fühlt es sich etwa so an:
Regen
Kiefern - oh, eine Birke!
Nieseln
Gerader Asphalt - zum Einschlafen. Die Augenlider sind schwer und schwerer.
Wolkenbruch
In der Ferne ein Elch auf der Straße
Regen
Große Abschnitte ohne Asphalt - fette, wassergefüllte Schlaglöcher, holpriger Grobschotter
Regenguß - Hochwasser auf der Straße
Starkregen
In Sorsele gibt's wieder eine Tanke und ein Grillrestaurant - das Kindermenü "Hamburger mit Pommes" soll von innen heizen und die Cola soll die Augen öffnen. So rettet man sich von Station zu Station.

Ich bin durchnäßt und durchgefroren, die Cola wirkt gegen die Müdigkeit, aber irgendwie muß ich ja auch mal eine Übernachtungsmöglichkeit finden. Zelten? Da hab ich heut wirklich keine Lust drauf - selbst der Regenanzug hat etwas durchgelassen. Alles ist naß und klamm. "Bunk a biker"? Weit und breit keine Möglichkeit zu sehen! Hotel? Auch booking.com hat keinerlei Angebote weit und breit! Da hilft nur noch wünschen und visualisieren. Wie wär's mit einer Hütte auf einem Campingplatz? Oder einer einsamen Fischerhütte mit Vordach? Visualisieren soll ja helfen.... Und ja - es funktioniert. An der versteckten Einfahrt sind wir schon vorbei, aber umdrehen und mal anschauen mag ich dann doch. Der Schotterweg endet nach wenigen Metern in einer Wendeplatte und direkt danach am Seeufer liegt eine Hütte. Sieht so aus, als ob dieses Jahr noch niemand da war - da wird hoffentlich nicht ausgerechnet heute jemand vorbeikommen? Es gibt eine überdachte Terrasse (zum Zelten), einen Steg in den klaren See (für Waschwasser), ein paar Gerätschaften (zum Aufhängen des Anzugs). Das Zelt baue ich aus Gründen der Schnakenabwehr und Wärme auf, es paßt gerade so auf die Terrasse - perfekt!


Dienstag, 27. Mai 2025

Doppelt

Seit der Ankunft in meiner norwegischen Heimat ist 1 Monat vergangen. Aber die Lisl steht ja noch in Deutschland rum und will auch hierher. Für sie ist die Reise noch nicht beendet. Jetzt ist die Zeit auch für sie gekommen, wieder in den Norden aufzubrechen - ich werde sie abholen. Hägar, mein 7-jähriges Quad, darf in Deutschland seinen Dienst quittieren, er wird ja von Odin abgelöst.

Odin und meine kleine Trulla (ein fetziges E-Bike) haben mir und meinem lieben Besuch die letzten 2 Wochen sehr viel Freude und Spaß bereitet, selbst wenn Trulla mich gestern in Sand und Schlamm 2 mal abgeworfen hat. Mein kleines Biest! Spät genießen wir noch einen Ausritt zur Mitternachtssonne.
Wayne, mein Besucher, fliegt heute zurück nach Schottland. Um halb sechs bringe ich ihn zum Flughafen. Leider haben die Wecker versagt, darum ist der Aufbruch ziemlich überstürzt. Ich bringe Odin wieder zurück, räume noch ein wenig auf und lege Odin, Trulla und die Hütte für die nächsten Wochen schlafen. Hab ich nichts vergessen? Dann breche ich mit Hägar auf - er darf den großen Hänger samt seinen Ersatzrädern nach Deutschland zurückschleppen. An den Steigungen kommt er damit ordentlich in's Schnaufen, aber im Allgemeinen läuft er richtig schön und schnurrt vor sich hin. Viel mehr als 70 km/h sind aus dem kleinen Motörchen allerdings nicht rauszuholen, Ich habe mich wieder für die "Schwedenroute" entschieden, anstelle der schönen, norwegischen Küstenroute. Die Route ist kürzer, wenig befahren, gut ausgebaut und damit sicher entspannter. Außerdem möchte ich im Anschluss über Polen fahren. Die schöne Route werde ich auf der Rückfahrt mit Lisl nehmen.

In Bjerkvik tanken wir an der letzten Tankstelle in Norwegen. Bis Kiruna gibt es keine weitere Gelegenheit. Ein "range extender" (Reservekanister) ist somit unumgänglich. Schon die erste Etappe fordert ihn heraus - 14 km vor Kiruna verdurstet Hägar. Und ich bemerke jetzt, was ich vergessen habe: die norwegische SIM-Karte für das Navigationshandy. Doof, aber kein Weltuntergang.

Beim Start weint der Himmel, lichtet sich aber langsam gegen Mittag zu. Ein kleiner Schauer erwischt uns unterwegs noch, ab und zu gibt es noch einzelne Regentropfen. Es ist lausig kalt, auch wenn die Sonnen inzwischen strahlt - und Hägars Griffheizung funktioniert nicht mehr. Über die Berge "Bjørnfjell" liegt noch dick der Schnee in der Landschaft, die Seen sind noch dick zugefroren. Ich bin sehr müde und hoffe, daß mein Hägar weiß, wie man auf der Straße bleibt. So trollen wir uns die E10 entlang, müssen dann aber wegen Tankbedarf auf die E45 abzweigen. Eigentlich wollte ich sowieso diese Strecke - den Inlandsvägen - nehmen. Paßt also.

Die Mittagspause in Kiruna zieht sich über 2 Stunden hin, bis ich wieder ein bisschen warm bin. Zum Wachwerden hat sie leider nicht beigetragen. Einen Schlafplatz suchen wir dann hinter Jokkmokk gegen 19 Uhr. Zum Schluss sind aus den täglich geplanten ca. 200 km doch über 400 km geworden - also doppelt so viel wie geplant. Da bin ich ja viel zu schnell...?

  

Dienstag, 29. April 2025

Habe fertig?

Jim ist schon auf Arbeit als ich mich aus dem Schlafsack schäle und hinüber gehe in's Haus. Erland und Hilda haben ihre morgendliche Zigarette bereits hinter sich und nippeln jetzt am Kaffee. Mit einer Tasse Tee geselle ich mich dazu. Mit Hilda entspinnt sich noch ein intensives Gespräch (Erland hält sich zurück), das für mich sehr herausfordernd ist. Hilda spricht ziemlich viel und schnell. Sie benutzt viele mir unbekannte Worte. Immerhin verstehe ich doch im Großen und Ganzen den Zusammenhang und kann meinen Teil zur Unterhaltung beitragen.

Gegen halb zehn geht's dann auf zur letzten Etappe. In der Nacht hat es viel und ausdauernd geregnet, jetzt ist der Himmel nur bedeckt aber trocken. Leider bleibt das nicht immer so, im Laufe des Tages geraten wir in Eisregen und leichtes Schneegestöber. Ich wußte zwar, das dieses Wetter zu erwarten ist, habe das aber herrlich ausgeblendet. Immerhin habe ich jetzt ein Alibi, warum ich mit 4 anstatt 2 Rädern unterwegs bin. 2 von diesen Rädern sind leider schon sehr abgefahren - eine böse Überraschung. Die mittleren Stollen der Vorderreifen sind einfach weg! Abradiert! Ich bin allerdings nicht bereit, jetzt schon neue Reifen zu beschaffen....
Eingeklemmt zwischen LKWs rollen wir auf der E6 Richtung Narvik. Die vielen Tunnel empfinde ich diesmal sogar als angenehm, weil es dort wärmer und trocken ist. An der nächsten Tanke wird Odin mit seinem Hänger und der Trulla wieder mal intensiv beäugt und bewundert - der Bewunderer spricht mich im Verkaufsraum sogar darauf an. Wir sind halt mal wieder ein eyecatcher.

Ups, wir sind ja schon in Bogenes. Es ist 13 Uhr und die Fähre auf die Lofoten ist bereits im Anmarsch. Wir müssen nicht lange warten, bis wir die einstündige Überfahrt antreten können. Von Lödingen (auf den Lofoten) ist es nur noch ein Katzensprung bis nach Hause. Im letzten Supermarkt kaufe ich für die nächsten paar Tage ein und kurz vor 17 Uhr sieht Odin seine neue Heimat. 

Jetzt ist auspacken und "einwohnen" angesagt. Rundgang und Besichtigung eventueller Schäden, der Versuch, eingefrorene bzw. verrostete Schlösser zu öffnen, das Haus warm bekommen. Nachbar Björn kommt zufällig vorbei und ich erfahre auf die Schnelle die wichtigsten Neuigkeiten - da muss ich morgen nochmal nachfragen. Ist doch Einiges passiert...


Ist das das Ende? Ich bin nach 8 Monaten wieder in meiner Heimat angekommen - meine Lisl, mit der ich aufgebrochen bin, allerdings nicht. Also kann die Reise noch nicht zu Ende sein? Stimmt - der Plan sieht folgendermaßen aus:

  • ich bekomme für 2 Wochen lieben Besuch aus Schottland.
  • Hägar, mein seit 7 Jahren treues Quad , soll wieder zurück nach Deutschland um einen neuen Besitzer zu finden. Der geliehene Anhänger muss ebenfalls zurück. Dafür veranschlage ich ebenfalls ca. 2 Wochen Reisezeit.
  • es folgt ein zweiwöchiger Aufenthalt in Deutschland: Hägar verkaufen, Spezialmassagetermin und ein Wochenende mit Freunden.
  • dann beginnt auch für die Lisl der letzte Abschnitt der Heimreise - mit neuem Motor und einigen weiteren Reparaturen. Sie sollte wieder ganz fit sein.
Ich werde also während der Fahrten weiter berichten - dazwischen ist Sendepause.

Montag, 28. April 2025

Schon in Nordland!

Was für ein herrlicher Tag! Purer Sonnenschein, klare Luft und blauer Himmel. Aber sicher kalt... Der Körper ist in Form, nach einer Dusche und Morgengymnastik - um zehn Uhr kann es losgehen. Die Etappe wird heute nicht so lange, da ich das letzte Stück auf 3 Tage aufteilen musste, andernfalls hätte ich keine Übernachtungsmöglichkeit gefunden. Ich bin nicht sicher, ob mein nächster Gastgeber in Rognan verstanden hat, wann ich kommen möchte. Ich überlege schon, notfalls einfach die Nacht durchzufahren, aber man wird sehen. Im Lauf des Tages wird der Termin aber bestätigt.

Unsere Fahrt ist weiterhin einsam durch die endlosen Weiten. Aber halt, ist das nicht ein getarnter Audi, der uns da entgegen kommt? Kurz darauf sichten wir die ersten paar Rentiere in der moorigen Sumpflandschaft, das sind die heutigen Highlights. Abgesehen natürlich von der grandiosen Berg- und Schneelandschaft, die sich auftut als wir uns gen Westen Norwegen nähern. Die Seen sind noch vollständig zugefroren und schneebedeckt, gelegentlich fahren sogar Snowscooter darauf herum. Herrlich - Sonnenschein, trockene Straße, phantastische Landschaft - fehlen nur die warmen Finger. Die Kälte hat ein Gesicht bekommen - weiß und Eis!

Diese Strecke bin ich tatsächlich noch gar nie gefahren! Ich habe sie gewählt, weil hier angeblich eine "grüne Grenze" ist, also ein nicht bemannter Übergang. Zuerst sieht auch alles ziemlich einsam aus, dann taucht auf norwegischer Seite ein großes Gebäude auf. Weit und breit niemand zu sehen, keine Ampel oder sonstige Behinderung. Fein - das haben wir gut gemacht! Bei der ersten "Circle K"-Tankstelle kaufe ich eine Kaffee-Klub-Mitgliedschaft damit meine heißen Kakaos oder Tees nichts mehr kosten - es ist eine Flatrate für Heißgetränke. Dieses Jahr rechnet sich das hoffentlich.

Um 16 Uhr treffe ich schon bei meinem Gastgeber Jim ein. Natürlich ist er auch Motorradfahrer - Goldwing. Warum überrascht mich das in Norwegen nicht? Ich bekomme einen Dachboden im Schuppen zugewiesen, der mit 3 Betten ausgestattet ist. Jim muß noch etwas Platz um den Treppenzugang schaffen und treibt auch noch einen Heizkörper auf. Später wetze ich mich im Wohnzimmer zu ihm und erfahre natürlich vieles aus seinem Leben und über Norwegen. Zum Beispiel, daß die Zollstation sehr wohl besetzt ist, die Dienstfahrzeuge in der Garage versteckt sind, man natürlich keine Mopeds reinschmuggeln darf und auch keinen Rhabarber (der hat er tatsächlich entdeckt). Man darf wohl keine fremde Erde einführen - wenn ich kontrolliert worden wäre, hätte ich Einiges entsorgen müssen. Glück gehabt. Oder dass er mehrere interessante Ausbildungen gemacht hat, bis er jetzt Lehrer für Machanik und Mathe an der Oberschule ist. Oder über seine Reisen, die hauptsächlich in Europa und in Windeseile stattgefunden haben. Es ist immer wieder spannend, wie verschieden die Menschen sind, die ich beim "bunkern" treffe.

Vergangenen Samstag gab es eine große Party - Jims Frau wurde 60, er ist gleich alt und so haben sie zusammen in großer Gesellschaft ihren 120-sten Geburtstag gefeiert. Ein bißchen Besuch ist noch übrig geblieben - Erland und Hilda. Die Männer haben ein tolles Abendessen zubereitet (Fisch, Kartoffeln, Salat). Die Unterhaltung hat so ziemlich alle Themen gestreift und ich habe intensiv versucht, wenigstens einen Teil davon zu verstehen. Ich habe mein Bestes gegeben, konnte sogar gelegentlich einen Beitrag leisten und bin nun sehr müde. Es regnet inzwischen in Strömen, was ich gar nicht mehr gewöhnt bin. Da muß ich Odin, leider verspätet, wasserfest machen und meinen Helm ins Trockene bringen. Morgen soll es wieder schön werden.

Sonntag, 27. April 2025

Lappland

Meine gestrige Entscheidung, aus 2 langen Fahrtagen 3 Tage zu machen - den Übernachtungsmöglichkeiten geschuldet - entspannen mich so stark, daß ich unwillentlich zu trödeln anfange. Darum sind wir heute erst um halb elf unterwegs.  Es ist bewölkt. Ob es heute wärmer ist als gestern ist eher eine "gefühlte Sache": entweder ist es halt schon wärmer, weil später am Tag oder die Ändeung meines dresscodes wirkt. Auf jeden Fall dauert es über eine Stunde, bis ich durchgefroren bin. Neuer Rekord!
Meine Gedanken sind an allen möglichen Orten und in allen möglichen Zeiten, nur nicht im Hier und Jetzt. Wie in Trance lasse ich mich von Odin auf den endlosen, langweiligen Streßen dahintragen.

Um 15 Uhr gönne ich mir eine lange Mittagspause mit Pizza und Kakao an der Tankstelle. Mir ist wieder warm - und der Himmel wurde gereinigt. Die Sonne lacht zwischen weißen Restwolken hindurch - wo macht das Fahren mehr Spaß! Die Schneefelder werden größer, auf den Seen fängt das Eis langsam an zu tauen, wir kommen nach Lappland.

In Sorsele habe ich ein Hotelzimmer gebucht für 550 SEK. Ich glaube, ich muss langsam lernen, daß die Preise nicht mehr wie vor 40 Jahren sind! Uups - ich habe vergessen zu tanken!? 2 km vor Sorlsele bleibt Odin stehen, der Range-Extender (Reservekanister) kommt zum Einsatz. Die Betankung kurz darauf bringt mir endlich gesicherte Erkenntnisse: Odin braucht 10 l / 100 km und der Tank fasst tatsächlich 20 l Sprit! Diese Erfahrung habe ich unbedingt gebraucht!

Das "Hotel" wirkt von außen sehr schäbig und verlassen. Die Tür ist verschlossen, es gibt 2 Schlüsseltresore, aber ich habe dazu keine Anweisungen bekommen. Also rufe ich die angegebene Telefonnummer an. Der Besitzer wohnt anscheinend im Nebenhaus, ist schnell da und freundlich. Innen ist das ehemalige Wohnhaus sehr gemütlich eingerichtet, es hat 4 Schlafzimmer, Küche, Bad und 2 Wohnräume. So kann man ein leerstehendes Haus auch sinnvoll nutzen. Ich bin einziger Bewohner - welch ein Luxus!


Samstag, 26. April 2025

Inlandsvägen

Heißes Wasser scheint in meinem "Wandererheim" ausgegangen zu sein. Ich bin geduldig und verschwende viel Wasser, bis es nach unendlich langen Minuten doch tatsächlich warm wird! Fast vergesse ich die Bezahlung, denn meist wird diese bereits im Buchungsvorgang eingezogen. Der freundliche Besitzer macht mich darauf aufmerksam - alles gut.
Nach einer leckeren Tasse Kakao machen wir uns um halb zehn auf den Weg - nur noch 1.250 km! Odin hat Frostbeulen auf dem Sitz und an den Lenkerstulpen...war doch gut, ein warmes Zimmer genossen zu haben.
Der lange "Inlandsväg" liegt vor uns, er führt zwischen Ostsee und norwegischer Grenze mitten durch das Land nach Norden. Eine einsame Straße mit wenig Verkehr, meist kerzengerade, durch endlose schwedische Wälder. Bald tauchen die ersten Schneereste auf -ich vermisse meine Griffheizung - brrr. Das Navi findet immer mal wieder eine kurze Alternativstrecke, die kaum länger ist, aber nicht so gerade und langweilig. Auf so einem Abstecher lockt ein Restaurantschild. Das Gebäude ist alt und nicht besonders attraktiv, der Eingang im Hinterhof gut versteckt. Auch drinnen muss ich mich erst orientieren - im Erdgeschoß findet sich ein mit Trödel vollgestopfter Verkaufsraum, das Restaurant ist im Obergeschsoß. Ähnlich wie mein Hotel zeigt auch dieses Haus seine Tradition, nichts ist perfekt aber alles hat Charme. Es geht sehr familiär zu, lustig. Aber das Essen ist wirklich sehr gut und hat einen erstaunlich "normalen" Preis, um es nicht sogar günstig zu nennen. Nach einer Stunde bin ich von außen durchgewärmt und habe einen Kalorienvorrat für die Körperheizung für vielleicht 1/2 Stunde?
An einer Tankstelle wird großmächtig auch Rum angeboten - ob Odin damit wohl besser läuft oder nur noch mehr säuft?

Wir sind so frei und machen früher Schluss. "Nur" knapp 360 km haben wir heute zurückgelegt. Eigentlich wollte ich noch bis Strömsund, aber etwa 70 km vorher bleibt mein Blick an einem kleinen Campingplatzschild hängen. Man kann ja mal fragen, was hier eine Hütte kostet...nur so zum Spaß.
Ein freundlicher Mann mittleren Alters, Niederländer, eilt herbei, wir führen ein nettes Gespräch. Eine einfache kleine Hütte soll 450 SEK kosten - ein stolzer Preis, aber nichts im Vergleich zum letzten Hüttenangebot. Verglichen mit dem Hostel von gestern (491 SEK) allerdings nicht ganz billig. Egal - es gefällt mir hier und billiger wird es sicher nicht, wenn ich nicht im Outback zelten will. Wir bleiben. Martin stellt beim Einbuchen fest, dass er mir einen falschen Preis genannt hat, ab diesem Jahr sollen die Hütten 500 SEK kosten. Ich bekomme natürlich den genannten Preis - das Schwabenherz ist beruhigt.
Die Hütte ist wie erwartet, es dauert ein wenig, bis der kleine Heizkörper den Raum aufgeheizt hat. In dieser Zeit schaue ich mir die Sanitäreinrichtungen an - der Duschraum ist herrlich warm! Anschließend noch einen kurzen Erkundungsgang durch den Wald zum angrenzenden Fluß. Die steifen Knochen und eingerasteten Gelenke sollen mal wieder etwas Bewegung bekommen.

Ich muss mir noch überlegen, ob ich die Route nicht doch ändere - auf der norwegischen Seite sieht es nach viel Schnee aus. Die Planung ist schwierig, da es keine geeignete Übernachtungsmöglichkeit für uns zu geben scheint. Wenn ich die Reststrecke auf 3 Tage aufteile, könnte ich vielleicht etwas finden.