Mittwoch, 22. Januar 2025

Schippern

Angeblich gibt es eine weitere Bar, die die ganze Nacht geöffnet hat, auch dort finde ich eine Sitzbank, die zum Schlafen geeignet ist. Als ich gerade beim Einschlafen bin, werde ich von der Barkeeperin geweckt: in 20 min wird geschlossen, ich kann hier nicht bleiben. Die letzte Möglichkeit sind Sitzbänke in einem Selbstbedienungsrestaurant, bei denen aber jeder Platz mit Armlehnen abgetrennt ist, d.h. nicht zum Liegen geeignet. Letztendlich verstecke ich mich in einer Flurecke hinter 2 Aufstellern auf dem Boden. An schlafen ist kaum zu denken, nennen wir es "Augenpflege". Um 8 Uhr macht die gemütliche Bar wieder auf - 3 min vor 8 trete ich durch die unverschlossene Tür ein und werde von der Bardame schon wieder hinausgeworfen: erst ab 8 Uhr! Die drei Minuten später lasse ich mich dann gemütlich nieder. Kaum lege ich mich jedoch hin, ist sie wieder da: das ist eine Bar, hier wird nicht geschlafen! Auch ein junges Pärchen wird der Bar verwiesen, als sie ihr eigenes Frühstück auspacken. Mann, ist das ein unfreundliches Personal hier! Diese Fähre ist für Deckspassagiere maximal ungeeignet. Mein Dickkopf möchte sich gerne mal wieder durchsetzen, darum suche ich mir später einen Bereich in der Bar, der vom Tresen aus nicht einsehbar ist und dort lege ich mich dann tatsächlich flach - ätsch.

Später gibt es wieder ein paar organisatorische Dinge zu erledigen, die offline vorbereitet werden können. Als wir Korsika / Sardinien passieren gibt es eine Zeitlang Internet, dann bin ich wieder offline. Nun möchte ich noch ein wenig lernen, aber da setzt zuerst Musik vom Band und später live in voller Lautstärke ein - da helfen auch meine Ohrenstöpsel nicht. Ausweichmöglichkeiten gibt es kaum, denn die meisten Bars oder Cafes sind mittlerweile geschlossen und die Menschen werden "zusammengetrieben" - das ist gar nichts für mich!

Ziemlich pünktlich um 19 Uhr erreichen wir Civitaveccia. Bis wir von Bord sind dauert es natürlich wieder ein Weilchen. Es ist schon stockdunkel - kein Mond oder Sterne - die Straße ist naß, der Himmel bedeckt und es windet; die besten Voraussetzungen, um einen Zeltplatz zu suchen. Das Navi führt uns sonderbare, zugewachsene Schlaglochwege aus dem Hafen, dann ein kurzes Stück "vernünftige" Straße, um bald schon auf dem Weg zum vorher über Google streetview ausgewählten Platz zu sein. Dieser endet auf einem großen Erdplatz direkt am Meer, den große Pfützen bedecken. Morgen wird sich bei Licht zeigen, ob wir ein schönes Plätzchen gefunden haben. Zeltaufbau bei Dunkelheit und Wind geht nicht ganz ohne Blessuren beim Einschlagen der Häringe ab. Heute Nacht habe ich hoffentlich Ruhe...

Dienstag, 21. Januar 2025

Warten....ciao Espana

Die Lisl steht noch genauso schief da, wie ich sie gestern geparkt habe. Niemand scheint es gekümmert zu haben. Da das Frühstück heute im Preis inbegriffen ist, nehme ich das natürlich mit - wir verlassen das Hostel so gegen 10 Uhr. Da ich in Italien von teureren Spritpreisen und auf dem Schiff von hohen Futterpreisen ausgehe, bekommt die Lisl nochmal Saft und ich einen Sack voller Backwaren. Dann suchen wir uns ein Plätzchen in Hafennähe, um den Tag zu verbringen. Bei McDonalds werden wir fündig - dort gibt es immer Strom und keiner nervt, wenn man nichts konsumiert. Ich kümmere mich um die Route in Italien, Bezugsquellen für das erforderliche Lager und einen passenden Schlafplatz bei Ankunft in Italien.

Gegen 18 Uhr werden die Schranken am Hafen geöffnet und wir können in den Wartebereich vorfahren. Hier stehen wir nun unendlich lange, nach einer Ewigkeit gesellen sich noch 2 weitere Motorräder dazu. Die Lisl ist wieder eine Attraktion - im Gegenzug bekommen ich von dem hondafahrenden Italiener noch die Adresse einer BMW-Werkstatt in Salerno. Laut BMW gibt es in ganz Italien keine "offiziellen" BMW-Vertragswerkstätten, darum habe ich auch nichts finden können. Die genannte Werkstatt ist also eine "freie" Werkstatt, die sich allerdings ausschließlich um BMWs kümmert. Ich meine, diese Mechaniker sind oftmals besser als die vertraglichen Werkstätten.
Es fängt an zu regnen, während unter lautem Getöse Hunderte von Containern durch den Ladebereich geschleppt werden. Endlich dürfen wir einem Führungsfahrzeug folgen, das uns bis zur Laderampe des Schiffes geleitet. Dort werden immer noch die letzten Container verladen, dann sind wir dran. 3 Stockwerke müssen wir hinauffahren, das habe ich auch noch nicht erlebt. Dann schnell mein Gepäck krallen, den Aufgang zum richtigen Deck finden und dort einen Schlafplatz suchen. Im dritten Anlauf bin ich zufrieden - eine Couch in der Bar. Um kurz vor 11 Uhr abends laufen die Maschinen. Ob wir uns wirklich schon bewegen kann ich nur mit der Navi-App feststellen, die normalerweise unsere Fahrt aufzeichnet, denn an meinem ausgewählten Platz sind die Vorhänge zugezogen und man darf sie auch nicht öffnen. Internet ist auf See natürlich ein No-Go.
Kaum habe ich mich niedergelassen, kommt der Sicherheitsdienst und wirft mich (und andere Deckspassagiere) raus - die Bar schließt um Mitternacht - Mist! Es war doch so bequem...

Montag, 20. Januar 2025

Neuer Vorderreifen

Sieht so aus, als ob ich mich etwas erkältet habe, ich fröstle (kein Wunder bei 5 Grad) und muss einige Male nießen. Natürlich genau in den engsten Kurven. Die Fotofinger sind eingefroren, d.h. heut wird es wohl kaum Bilder geben. Aber es gibt ja auch nichts Besonderes zu sehen, nur zu erleben - die Kurventour entlang des Ebrotals, die uns definitiv endgültig aufweckt. Ich bin früh aufgewacht und habe auch sogleich zusammengepackt: für 10 Uhr ist Regen angesagt. Kurz davor brechen wir auf. Wetterbedingt möchte ich nun auf dem schnellsten Weg nach Barcelona, wo ich bereits ein Hostel gebucht habe. Allerdings akzeptiert mein Navi die Optionsänderung nicht, da kein Empfang - muss ich eben später nochmal korrigieren. Um halb elf erwischen uns dann einige feine, nadelartige Regentropfen und zwingen mich, die Motorradbrille aufzusetzen. Bald werden die Straßen größer und befahrener, wir reihen uns in die Schlange hinter den LKWs ein, bis wir schließlich auf der Autobahn landen. Eine (sehr teure) Raststätte lädt zum Frühstück mit Aufwärmen ein.

Nach einer längeren Pause brechen wir nun endgültig nach Barcelona auf. Rechts blauer Himmel, links drohen schwarze Wolken (erinnert mich irgendwie an die politische Landschaft in Deutschland). Autobahnkreuze und Stadtverkehr stressen. Die Werkstatt, die den neuen Vorderreifen bestellt hat, ist so klein, daß ich sie glatt übersehe, obwohl ich direkt daran vorbei komme. Wir parken nur 50 m entfernt. Der Reifen - der innerhalb von 2 Tagen geliefert sein sollte - ist noch nicht da, vielleicht morgen. Aber für morgen möchte ich die Fähre buchen, das ist ziemlich unsicher. Der Chef bietet mir einen anderen Reifen an (Mitas), der bereits 100 km gelaufen ist. Mit Montage solle er nur günstige 60 € kosten! Da bin ich sofort dabei, zumal ich ohnehin mit dieser Reifenmarke geliebäugelt habe - da probieren wir es gleich mal aus. Aber wie das so ist, wenn man mit reparieren anfängt - es stellt sich heraus, dass Lisls Pendelei doch das Lenkkopflager ist! Das passt mir gar nicht in den Kram. Wir lockern es etwas, aber ich muss es wohl möglichst schnell wechseln - da habe ich wieder eine Aufgabe. Übrigens: ich hatte heute keinen Termin, wurde aber sofort bedient! Das ist deren Philosophie: Reisenden wird schnellst- und bestmöglich geholfen. Und sehr günstig obendrein! Tolle Werkstatt.

Auf zum Hostel, es wird schon langsam dunkel. Nur 9 km, aber im Feierabendverkehr durch die Innenstadt, mehrspurig, stopp & go, Unfall, Einbahnstraßen. Ich muss die Navigations-App wechseln, denn meine möchte ständig falsch herum in Einbahnstraßen einbiegen. Letzendlich kommen wir aber an. Keine Parkmöglichkeit - wir fahren ganz frech durch ein Tor in den Innenhof, was eigentlich eine Bar ist. Die Rezeptionistin meint, hier wäre kein Parkplatz und sie muss fragen, ob ich hier nicht doch 1 Nacht stehen bleiben könne. Eine Antwort bekomme ich nie, also schläft die Lisl heute in der Bar.

Oh, schon so spät? Ich muss mich sputen und noch einiges organisieren....

Sonntag, 19. Januar 2025

Brrr...

Gegen 9 Uhr stehe ich auf und finde eine Eisschicht auf der Futterkiste und Lisls Sitzbank. Das Thermometer zeigt jedoch immer noch einige Grad über 0 an, ich glaube, das schwindelt. An der Waschraumtür hängt ein Schild "kein warmes Wasser". Kleiner Schaden an der Motorradhose: ein Hüftprotektor ist durchgebrochen, der wird am Abend geklebt. Meine deutschen Nachbarn im Riesen-Wohnmobil + Auto + Riesen-Anhänger behaupten, das wäre seit Jahren der kälteste Winter hier. So langsam glaube ich, daß ich Extremwetterbote biin: der nasseste Herbst, der kälteste Winter...egal was man gerade nicht brtauchen kann, davon scheint uns das Extrem zu widerfahren.

Im Übermut stelle ich das Navi auf "sehr kurvig" ein, d.h. es leitet mich an den großen Straßen und dringend benötigten Tankstellen vorbei. Wir fahren im nächsten Ort eine Tanke an, die nimmt heute nur Kreditkarten, aber nicht meine! Also suchen wir weiter - zum Glück nicht lange. "Kurvig" heißt außerdem, daß wir in den Ortschaften die kleinsten Gäßchen fahren und auf der Strecke jeden erreichbaren Kreisel mitnehmen. Bergsträßchen gibt es erst einige Zeit später, dann aber ein Sahnestückchen voller Serpentinen.

Nach einer Kaffeepause in einer kleinen Konditorei dürfen wir am Nachmittag nochmal eine gut ausgebaute, schön kurvenreiche Straße durch die Berge genießen. Der anvisierte Zeltplatz gefällt mir nicht so gut, auf der folgenden Strecke gibt's aber jede Menge hübsche Rastplätze, wi wir schließlich auch bleiben. Es wird wieder eiskalt, sobald die Sonne verschwunden ist.

Leider wieder kaum Empfang zwischen den Bergen hier.

Samstag, 18. Januar 2025

Schmankerl

Heut scheint alles wieder in Ordnung zu sein, nur etwas weiche Knie hab ich noch. Selbst kopfüber-Dinge funktionieren wieder super. Ich bin sehr zufrieden mit mir.

Draußen hat es jetzt 2 Grad, das Zimmer ist nicht geheizt, entsprechend frisch ist es. Mit anziehen bin ich darum heute schnell - eine kleine Reparatur an einem Packsack fällt leider noch an. Ob es hier wohl Frühstück gibt? Leider nein, aber eine Tasse Tee macht mir der junge Mann schon. Die darf ich nicht bezahlen, stattdessen unterhalten wir uns ein wenig - er auf spanisch, ich auf englisch. Und natürlich mit den Händen. Alles was ich erfahre ist, daß er aus Bogota stammt, der "Frühstücksraum" eigentlich eine Bar für samstägliche Abende ist und ich für ihn eine Inspiration bin. Das ehrt mich sehr!

Gutgelaunt machen wir uns auf den Weg, ziemlich gut gegen Kälte gesichert. Bei 6 Grad, blauem Himmel mit weißen Federwölkchen und Sonnenschein genießen wir die frische Morgenluft, die auch auf den Geist durchschlägt. Super Stimmung!

Auf meist großen, geraden Straßen nähern wir uns wieder bergigerem Gelände, wo wir herrliche Strecken vorfinden! Wie auf einer Perlenschnur reihen sich die engen und engsten Kurven und Serpentinen aneinander und folgen den Berghängen um die Schluchten herum. Das macht Spaß! Yeah! Allerdings ist die Straße nass und manche Kurven sind schattig. Die 7 Grad der Anzeige sind ziemlich unglaubwürdig, denn trotz Lenkerstulpen und Griffheizung frieren mir die Fingerspitzen ab. Dazu kommen Schilder mit Schneekettenpflicht...da fahren wir lieber langsam und sehr vorsichtig. Ein süßes kleines Nebensträßchen, einspurig, durch Kiefernwälder schließt sich an. Ein Schmankerl!

Wir sind heute schon weit gekommen! Am frühen Nachmittag lädt ein großer Supermarkt zum auffüllen der Lebensmittel ein. Es gibt dort sogar eine Mikrowelle, so daß ich mir was Leckeres warm machen kann. In Valencia zeigt eine meiner Apps einen freien Stellplatz (WoMos) am Strand an. Leider stellt sich dieser Tipp für uns als unbrauchbar heraus, denn es handelt sich um Parkplätze an der Strandpromenade - hier kann man beim besten Willen nicht zelten. Na, dann fahren wir halt noch ein Stückchen, es ist erst ca. 16 Uhr. Knapp 90 km nördlich soll laut App wieder eine Möglichkeit zu finden sein, aber auf halber Strecke lockt uns ein Hinweisschild zum Strand. Leider ist auch hier zum wild zelten keine Möglichkeit, dafür gibt's einen Zeltplatz. Na ja, dann nehmen wir halt den, auch wenn wir zwischen den WoMo-Burgen untergehen. Zum Strand ist es nicht weit, da kann ich noch den Sonnenuntergang bei tosenden Wellen genießen.


Freitag, 17. Januar 2025

Aufwärtstrend?

Natürlich hat die Brandung die ganze Nacht getost, und manchmal, wenn die Steine zurück ins Meer rollten, klang es wie wenn ein Auto wegfährt, aber das hat dem guten Schlaf keinen Abbruch getan. Langsam stehe ich mit der Sonne gegen 9 Uhr auf. Gerade als ich reif für's Frühstück bin, kommt ein Lieferwagen auf den Platz und bringt Backwaren und Eier - genau das, was ich jetzt brauche!

Mein "Giersensor" ist nach wie vor beschädigt, d.h. ich eiere noch umher und rette mich oft mit Ausfallschritten. Ein Hundebesitzer möchte ein Schwätzchen halten und meint, ich solle mir unbedingt die Schlangenbucht, ca. 10 min zu Fuß von hier, anschauen. Aber erst wird gepackt. Ich denke, ein Spaziergang stabilisiert vielleicht meinen Körper und marschiere los. Die Bucht hat wirklich einen wunderschönen Palmen-Sandstrand und auch auf halbem Weg dorthin liegt ein schönes, einsames und ebenes Zeltplätzchen. Leider zu spät.

Um 12 Uhr darf die Lisl dann auch loslaufen. Der kleine Service in Almeria hat ihr gut getan, die Bremse greift wieder giftig zu und im unteren Drehzahlbereich läuft sie viel gleichmäßiger. (Übrigens auch der Kocher heizt wieder ordentlich.) Auf unserer Fahrt entdecken wir noch einige WoMo-Stellplätze wie diesen - sieht ein wenig aus, wie eine mobile Reihenhaussiedlung. Das wär nix für mich.

Endlich kann ich wieder alles im Blick behalten: vor mir, hinter mir, auf den Armaturen. Wir sind wieder ein funktionierendes Team, die Lisl und ich. Das Navi bietet uns ab und zu kleine kurvige Nebensträßchen an, die langsam wieder Spaß machen. Ein holpriges und sehr welliges Sträßchen zaubert mir sogar wieder ein Lächeln ins Gesicht, während die Lisl ordentlich arbeiten darf. Mittlerweile läßt mein Giersensor auch wieder Blicke in die Landschaft zu. So habe ich mir vor Jahren die "Rentnertour" vorgestellt - Europa auf Abwegen.

Vor uns wird der Himmel immer grauer und gegen 14 Uhr fängt es an zu nieseln - Lenkerstulpen und die ungeliebte Motorradbrille sowie Richtungswechsel. Ab in die Berge, auf kurzem Weg nach Barcelona. Zielsicher führt unser Weg genau durch das Wolkenloch zwischen den dunklen Wolkenbergen rechts und links von uns - ha, gut gemacht! Straßen und Landschaft sind oft öde, flach, gerade, langweilig, aber dafür kann die Lisl rennen und wir machen etwas Strecke.

Um 15 Uhr stoppt mich der Hunger. In den durchquerten Zitrusplantagen habe ich eine Orange und einige Miniatur-Mandarinen geklaut, die wären jetzt genau das Richtige - wenn sie nicht so krachsauer wären! Ungenießbar. Da kann einem ja der Obstdiebstahl vergehen. Um 16 Uhr sind wir mitten drin in der Suppe - eine pechschwarze Wolkenwand umgibt uns und verdunkelt die Welt. Es fängt wieder an zu regnen, es ist kalt. Schnell eine Unterkunft suchen - das ist leichter gesagt als getan. Hier in den Bergen sind Betten sehr dünn gesät. Das Beste was ich kriegen kann, wird schnell gebucht - ein Hostel für 29 €. Einsam steht das Gebäude an der Hauptstraße, weit und breit sonst nichts zu sehen. Aber ich habe ein eigenes Zimmer mit eigenem Bad und endlos heißes Wasser- das ist Luxus pur!

Donnerstag, 16. Januar 2025

No risk and no fun

So (Bild) etwa sieht es aus, wenn wir geradeaus gehen oder fahren wollen.....Bei schnellen Augen- oder Kopfbewegungen läuft das Bild immer noch ein Stück hinterher und mein Geradeasuslauf ist schlangenlinienförmig.
Um 9 Uhr, als die Sonne über die Berggipfel rutscht, zeigt das Thermometer eisige 2,5 Grad an. Bis wir nach Morgentoilette, Frühstück, Packen und Gymnastik nach 11 Uhr losfahren, werden uns bereits warme 15 Grad gemeldet. Dennoch sind Lenkerstulpen und Regenjacke nicht verkehrt. Wir verlassen die Küstenregion und wenden uns den Bergen zu. Durch besiedeltes Gebiet, das eine Herausforderung für "Kopf-ruhig-halten" ist, geht es zum Glück ziemlich gerade. Dann lockt uns das Navi eigentlich hinein ins Vergnügen, auf gut asphaltierte, schmale, sehr kurvenreiche aber wenig befahrene Bergsträßchen, bis hinauf über 600 m. Lisls abgefahrener Vorderreifen und mein dussliger Kopf sind ein gutes Gespann um keinen Spaß daran zu haben. Mühsam quälen wir uns durch jede Kurve und sind froh, daß uns niemand begegnet. Heute wird der Kurvenspaß zur Qual. Mein Blick bleibt konzentriert auf der Straße, die Umgebung kann ich kaum wahrnehmen. So eiern wir mit 30-40 km/h durch die eigentlich wunderschönen Kurven einer herrlichen Motorradstrecke. Sehr schade.

In Cuevas del Almanzora führt eine Brücke über den breiten "Fluß", dessen Bett von Betonwänden gesäumt ist und das so ausgetrocknet ist, daß hier sogar ein Fußballplatz mit Toren angelegt ist. Am frühen Nachmittag scheint sich mein Kopf etwas an das Fahren gewöhnt zu haben, die Kurven werden etwas flüssiger und gelegentlich kann ich sogar einen Blick auf die Landschaft werfen.

An einem Kreisel ist unsere Ausfahrt gesperrt, eine Umleitung ist ausgeschildert. Allerdings nur noch an einer Folgestelle, danach müssen wir einfach der Straße und dem Gefühl folgen. Bis wir an einem großen Firmenparkplatz enden, hinter dem eine Lehmpiste weiterführt. Und jetzt? Ich versuche, jemanden zu fragen, aber nur auf spanisch ist das sehr schwer. Letztendlich nehmen wir doch die Piste, eine Unterführung, die auf der Karte gar nicht vorhanden ist und landen nach einer ziemlich langen Schleife wieder auf Kurs.

Heute morgen habe ich einen Tipp bekommen, in Canada de Gallego gäbe es einen wunderschönen, freien Platz für WoMos und Zelte. Es wird schon spät und ich bin erschöpft, als der Ortsname angeschrieben ist - nur 10 km. Mein eigentliches Ziel liegt noch 30 km entfernt. Also biegen wir hier ab. Hinter der Ortschaft führt die Straße durch unschöne Gemüseanlagen Richtung Küste, die letzten Meter sind ein wilder, steiniger Erdweg. Und dann stehen da hunderte von Wohnmobilen, alle mit deutschem Kennzeichen! Klein-Deutschland! Während wir uns umschauen werden wir von allen Seiten interessiert beobachtet. Als ich die Lisl direkt an der Küstenkante an einem flachen Plätzchen parke, spricht mich Rainer an (ist mit dem WoMo da, fährt aber auch BMW): hier vorn ist campen verboten - "Küstenschutz", aber dort hinten ist ein lauschiges, ebenes Plätzchen abseits der Blechlawine. Auch direkt an der Wasserkante, wo die tosende See sich bricht. Das gefällt uns. Rainer hilft auch dabei, die Lisl in die richtige Position zu bringen, ich bin seit dem Absteigen wieder sehr unsicher auf den Beinen. Mit einem großzügigen Hilfsangebot läßt er mich dann zurück. Kurz darauf taucht sein Nachbar Dirk auf (Harley-Fahrer), der ebenfalls jede Hilfe anbietet, wenn ich etwas brauche. Na, dann kann mir ja nichts mehr passieren. Meine Lebensmittel sind in der Tat dürftig, ich habe heute nicht eingekauft und der Weg zurück in den Ort zu einem Restaurant ist mir zu weit. Aber ich habe ja Notrationen: Tütensuppe und Tubenkäse. Ein Rest Brot, Zwiebel und Paprika sind noch da und zu trinken gibt's ein Zitronenwasser aus der herrlich gelben, voem Baum geklauten Zitrone. Heute Nacht wird's windig...