Mittwoch, 8. Januar 2025

Kurvenspaß

Im "Wild House", dem wirklich sehr gemütlichen Hostel, hatten wir gestern noch einen fröhlichen Abend. Mit der Italienerin Sarah hatte ich eine ruhige Zimmergenossin, während im Nachbarzimmer anscheinend eine ziemlich unruhige Nacht stattfand. Da unser Rolladen geschlossen ist, geht der Tagesanbruch an mir vorbei und ich stehe erst um halb zehn auf. Mit packen bin ich bald fertig, aber eine Holländerin möchte noch unbedingt ein Foto machen - gerne. Etwas ungern wacht die Lisl heute auf, dann weckt sie mit zwei heftigen Fehlzündungen alle auf, die jetzt noch schlafen und qualmt diejenigen mit einer dicken Ölwolke ein, die bereits im Badezimmer sind. Dann geht's nochmal zurück nach Tarifa - ein Päckchen bei DHL und eine Postkarte bei der Post abschicken. DHL ist fast unsichtbar in einem Eisenwarenladen versteckt, auf der Post muss ich wieder eine Nummer ziehen und 10 min warten, bis alle ausgeschnattert haben. Dann geht's ab auf die Piste.


Zuerst nach Norden Richtung Algeciras, das wir zum Glück schön umfahren können. Und dann in die Berge! Eine schöne Route hat das Navi da wieder ausgesucht! Fröhlich schlängelt sich nun ein etwas welliges Sträßchen durch die Berge. An einem Abschnitt folgt die Stromleitung der Straße, die Masten stehen in Reih und Glied und auf (wirklich!) jedem Mast thront mindestens EIN Storch mit oder ohne Nest. In den Bergen westlich von Estepona legen wir einen tollen Ritt hin:die perfekte Motorradkurvenstrecke führt uns bis auf 900 Höhenmeter, dann geht's wieder runter. Die Lisl freut sich, ihren Widerstand und die Pendelei hat sie aufgegeben, sie zieht eine saubere Spur durch alle engen und weiten Kurven und läßt sich willig in Schräglage fallen.

Eine kleine Nebenstraße wird von der Straßenbehörde als "in sehr schlechtem Zustand" bezeichnet - hier war Marokko eine gute Erfahrung, denn diese Straße unterscheidet sich von den marokkanischen, üblen Straßen nur dadurch, dass die Löcher geflickt sind und wir gut darüber hoppeln können.


Bei Andi in Algodonales möchte ich meine Drohne abholen, aber er ist nicht zu Hause. Ich warte ein wenig auf seiner Terrasse, irgendwann wird er ja kommen. Jetzt kommt allerdings starker Wind auf, der dunkle Wolken vor sich her treibt. Für die Nacht ist Regen angesagt, aber es sieht jetzt schon danach aus. Darum suche ich mir erstmal ein trockenes Plätzchen, die Drohne kann ich ja später noch abholen. Der Wohnmobilstellplatz ist jetzt wieder freigegeben und ziemlich voll gestellt. Es gibt dort einen großen überdachten Platz - dort möchte ich mein Zelt aufschlagen und bleibe hoffentlich trocken. Direkt daneben entdecke ich Claudia und Volker mit Saskia. Schön, Euch schon wieder zu sehen. Heute Abend planen wir, lecker Essen zu gehen. Aber wie so oft, kommt es anders. Während ich bei Andi die Drohne in Empfang nehme, wollen meine Freunde Sakias Auto aus der Werkstatt holen. Leider war die Reparatur erfolglos, so dass sie jetzt am Abend noch zu einer anderen Werkstatt aufbrechen müssen. Dann gehe ich halt alleine essen...nur, heute ist das Restaurant geschlossen. Zum Glück finde ich noch ein anderes, auch sehr gutes Lokal wo ich es mir schmecken lassen kann.

Dienstag, 7. Januar 2025

Tarifa

In dem fensterlosen Zimmer bekommt man ja nichts zu Tageszeit oder Wetter mit. Ich bin zwar früh wach, lasse mir aber bis 9 Uhr Zeit, um aufzustehen. Ich habe nur wenig Gepäck mitgenommen, meine Klamotten sind immer noch nicht trocken. Auf dem Parkplatz bei der Lisl packe ich dann um für die Reise. Außerdem hab ich ein paar Dinge für die Familie gekauft, die ich noch verstauen muss. Dann geht's zum Hafen. Hier bin ich falsch, erklärt mit ein müder Aufpasser - ich muss zur nächsten Schranke. Auch da sind wir falsch, aber an der dritten Schranke ist viel Betrieb, da sind wir richtig. Natürlich dauert es lange: Voucher gegen Ticket tauschen, dann Passkontrolle, Zoll, Passkontrolle, Ticketkontrolle und Drogentest. Der ist "lustig": man fährt auf eine lange Rampe und wenn die voll ist fährt ein LKW mit einer Art Brücke über den Autos an der Rampe entlang. Nach einigen Minuten geht's weiter bis zur Laderampe. Nochmal Ticketkontrolle - der junge Mann unterhält sich sehr gerne mit mir und poitisiert sogar... Die Spuren nebenan sind voll belegt von Fußgänger(innen), alle mit unwahrscheinlich viel Gepäck auf diesen Gepäckwagen und einigen Kindern. Wo die wohl alle hin wollen? 
Boarding beginnt mit einer halben Stunde Verspätung und es dauert, bis alle Damen ihre Wagen an Bord geschoben haben (nicht ohne manches Unglück). Dort werden sie wie vor dem Supermarkt gesammelt. Wir sind das einzige Motorrad. Meinen Hunger kann ich hier leider nicht stillen, denn das Bordrestaurant verkauft nur Kaffee oder Wasser - sie haben irgendein Problem. Immerhin sind wir mit über 50 km/h sehr rasant unterwegs.
Ich habe beschlossen, heute mal langsam zu machen und werde heute in einem Hostel übernachten. Morgen  muss ich ein Postamt finden, um ein paar Dinge nach Deutschland zu schicken. Das Hostel ist etwas abgelegen, aber ziemlich cool. Als erstes bekomme ich etwas "zu rauchen" angeboten... Es gibt jede Menge Tierchen: Hühner, Esel...nette Plätzchen im Grünen, separate Wohnnischen im Außenbereicht und verschiedene Sitzecken in der Sonne. Hübsch! Schnell lege ich Schlafsack, Luftmatratze, Handschuhe und alles andere zum trocknen aus, muss noch die Brille reparieren und ein Paket schnüren. 
Ein junger Deutscher hat die Küche belegt, während er sich lautstark von seinem Freund beraten lässt, wie er zu kochen hat. Auch Lebenstipps werden dabei ausgetauscht.
Für heute sag ich tschüß!


Montag, 6. Januar 2025

Tanger

Getrocknet ist gestern überhaupt nichts. Lediglich ein Tee hat mich ein wenig aufgewärmt. Der kostet hier - gnauso wie der Platz - etwa das 2,5-fache wie normal. Im Schlafsack bin ich dann ein wenig warm geworden, die Klamotten können im Zelt natürlich nicht trocknen. Insbesondere nicht, da es die ganze Nacht gewittert und regnet. Am Morgen läßt der Regen etwas nach und es gibt sogar kurze Regenpausen. Die Wohnmobililsten unterhalten sich über diese "schreckliche" Nacht - ich hab kaum was mitbekommen, habe gut geschlafen. Ich habe schon schlimmere Wetter erlebt. Dennoch ist es nicht schön, wenn auch am Morgen alle Klamotten nocht naß und klamm sind. Ich setze mich im Hotel an die Rezeption, lade die Elektronik, trockne die Kleider am Körper und checke dann gegen Mittag aus. Ich habe mir jetzt ein Hostel genommen, zum gleichen Preis. 

Es liegt in der Nähe des Parkplatzes, den ich schon kenne und nahe am Hafen. Den bewachten Parkplatz finde ich sofort, das Hostel zu finden ist eine Herausforderung. Mit dem Navi komme ich grob in die Nähe, aber dann brauche ich doch einen Helfer. Wir stehen am Namensschild der Unterkunft - alles verriegelt. Eine Nachbarin sagt, das Hostel ist schon lange geschlossen... Hä? Da kommt ein Mann hinzu, der meint, das Hostel läge woanders. Er führt mich hin - das finde ich nie wieder! Eine unauffällige Stahltür in einer sehr verstecken Nebengasse. Ich muss die angegebene Telefonnummer anrufen, damit der Gastgeber von irgendwo her kommt. Er gibt mit Haus-, Zimmer-, und WIFI-Schlüssel und ist wieder weg. Ich habe ein fesnterloses, unbeheiztes Doppelzimmer. 

Ich gehe noch ein wenig einkaufen, hole mir ein Fährticket und esse ein letztes mal marokkanisch.

Sonntag, 5. Januar 2025

Kontraste

Um 9 Uhr krabble ich aus der Koje, es ist bewölkt und windig. Darum ziehe ich heute die Daunenjacke statt eiinem Pullover unter die Motorradjacke. Bis Tanger sind es knapp 400 km; dafür sind eigentlich 2 Tage geplant. Aber die Strecke ist so langweilig und gerade, daß ich es in einem Tag versuchen möchte. 7 Stunden sind dafür angesetzt, Frühstück fällt aus. Mein Navi scheint heute ziemlich überfordert zu sein, oder das zugrunde liegende Kartenmaterial ist nicht mehr aktuell. Es zeigt Abzweigungen, die es gar nicht gibt und lockt mich auf eine 6-spurige Autobahn, die allerdings in die falsche Richtung führt. Dann widerum landen wir auf einer alten, fast pistenartigen Nebenstraße entlang der Autobahn.

Irgendwann kommen wir nach Rabat, der Hauptstadt Marokkos. Der neue Mohammed VI Tower ist nicht zu übersehen, er sieht wie eine Rakete aus. Die Innenstadt besuchen wir nicht, sondern jumrunden den Stadttrubel auf Umgehungsstraßen. Alles ist hier piekfein sauber - Scharen von Reinigungspersonal mit Besen und Staubsaugern entfernt nicht nur Müll sondern auch das kleinste Laubblättchen. Schöne grüne Alleen auf orangerot strahlendem Untergrund und gut fließender Verkehr machen gute Laune. Auch außerhalb führt eine super gute, kaum befahrene Straße zur richtige Kiefenwälder! Bis sie abrupt endet. Scheint der Eingang zu einem Nationalpark oder so was Ähnliches zu sein - Mist, ich habe eine Abzweigung verpasst. Also, zurück. Die "richtige" Abzweigung ist ein schmales Sträßchen durch entlegene Ortschaften. Immer ärmer wird die Gegend, die Menschen wohnen in Lehmhütten, während der Müll immer weiter zunimmt. Zu guter Letzt glaube ich uns auf einer Müllhalde, die Asphaltstege zwischen den Schlaglöchern sind nur noch wenige Zentimeter breit. Auf dem Bankett hat sich eine Pferdepiste gebildet und wenige Meter weiter verläuft ein festgefahrener Weg - beide sind deutlich besser befahrbar als die Straße. Arme Lisl! Auf den Verkehr achtet hier keiner mehr, jeder schaut nur, daß er mit möglichst wenig Schäden voran kommt. Eine Stunde Fahrzeit gehen uns auf diesem Abschnitt verloren. Hinzu kommt ein kräftiger Wind, der Sand, Staub und Müll über die Straße treibt und die Augen verkrustet.

Zurück im Westen dürfen wir ein Stück weit herrlichen Sandstrand mit schön gischtenden Wellen begleiten. Kite-Surfer tummeln sich hier. Der Wind wird stärker und der Himmel zieht zu - es sieht nach Regen aus. Wir sind bereits in Tanger, als es zu tröpfeln beginnt. Mitten im dichtesten Marktverkehr sind wir gefangen - Minute um Minute vergeht während es sich einregnet. Nur noch 1 km bis zum Campingplatz! Die Straße dort hinauf ist extrem steil, die Straße rutschig. Ein Auto vor mir kommt nicht mehr weiter, die Räder drehen durch. Na Lisl, komm, das schaffst Du. Nur nicht stehen bleiben. 2 Herren winken uns durch ein Tor zum Hotel - ja, das ist auch der Campingplatz. Oh, sehr edel und teuer (150 MAD pro Nacht). Wo ich geparkt habe darf ich natürlich nicht stehen bleiben - für Zelte gibt es separate Plätze. Mittlerweile gießt es in Strömen, die Lisl soll in einer sehr steilen Kurve stehen bleiben und das Zelt soll einige Meter entfernt stehen. Nein. Es gibt zum Glück noch eine Alternative mit ebenem Stellplatz für Lisl und Zelt! Keine Chance für die Hängematte, aber bei dem Regen ist das Zelt vielleicht ohnehin die bessere Wahl. Ich soll später zum Checkin abgeholt werden - was natürlich nicht stattfindet.

So pudelnass bin ich auf der ganzen Reise noch nicht geworden, wie ausgerechnet hier in Afrika! Bis auf die Haut ist alles durchweicht, die Regenklamotten liegen unerreichbar draußen in einer Tasche. Nur das Zelt nicht aufmachen, sonst werden wir überflutet. Es hört nicht auf, immer und immer wieder nehmen die Schauer zu. Irgendwann hole ich dann doch die Tasche mit den Regensachen, werfe mir die Jacke über, packe die Elektronik und flitze ins Hotelrestaurant. Jetzt sitze ich im edlen Restaurant des vornehmen Hotels Miramonte und versuche, wenigstens ein bisschen zu trocknen. Stattdessen fange ich nur an zu frieren. Essen mag ich mir hier nicht leisten, nur einen heißen Tee. Von dem phantastischen Aublick sieht man in der Nacht sowieso nichts. Auch für morgen ist noch heftiger Regen angesagt, also werde ich wohl noch einen Tag hierbleiben...grrr.

Samstag, 4. Januar 2025

Küstenstraße

Die ganze Nacht bläst eine ordentliche Brise und rüttelt an meinem Dach. Um 9 Uhr wird es mir zu dumm - aufstehen. Kurz darauf bringt der Campingwart ein frishes Fladenbrot - das ist eine nette Geste! Unser Start gegen 11 Uhr zieht sich noch etwas hin, da eine deutsche Wohnmobilfahrerin Startschwierigkeiten hat. Leider kann ich nicht viel helfen - ich vermute eine leere Batterie.

Auf der Küstenstraße geht es nach Norden, meine App lotst uns jedoch auch mal ein Stück weit in's Landesinnere. Dort schlägt sie dann sogar gelegentlich Pisten vor, die wir aber vermeiden. Es gibt jetzt zwar nicht mehr Kurven und der Straßenbelag ist auch sehr gut, nur ist die Fahrspur deutlich schmaler und es gibt viel weniger große Lastwagen. Dafür wieder in jeder Ortschaft Markt mit dem üblichen Straßenchaos. Ein Hauch von Grün zieht sich hier über das Land - die Tiere stürzen sich gierig darauf. Wo die Erde fruchtbarer ist, werden Äcker angelegt und von Hand bewirtschaftet; Maschinen sieht man selten. Überhaupt wissen die Menschen hier wie man mit den Händen und einfachen Werkzeugen Dinge produziert, bearbeitet und repariert - Fachkräfte eben. In Deutschland fehlen die? Schon, aber Menschen mit diesen Fähigkeiten würden Industrie und Konsum lahmlegen.

Die Eintönigkeit unterbreche ich mittags, um einen Tee in einem kleinen Cafe an einer Tankstelle zu trinken. Der Wirt ist verschwunden...es dauert, bis ich einen Tee bestellen kann. Der junge Mann versteht leider nicht, aber ein Gast erklärt es ihm. Später spricht mich ein alter Mann mit nur 1 Zahn im Unterkiefer auf englisch an - Smalltalk. Ein weiteres Highlight heute ist ein Staudamm mit angrenzendem Wasserwerk zwischen okkerfarbenen Felsen. Eine kleine Oase.

In Mohammedia, nördlich von Casablanca ist für heute Feierabend. Der Campingplatz in Strandnähe ist nicht leicht zu finden - hinter einer Tankstelle an einem vielbefahreren Kreisel zweigt ein schmales Sträßchen ab. Eine hohe, stacheldrahtbewehrte Mauer umschließt das Gelände - nein, es ist kein Gefängnis (hoffentlich). Der Platz ist so, wie sie hier eben sind - staubig mit ein paar Bäumen und dürftige Sanitäranlagen, dafür günstige 5 €. Zwischen 2 Olivenbäumen kann ich mich aufhängen. Der Platz ist groß, ich marschiere Richtung Strand durch Dauercamper-Zelte und feste Hütten mit teilweise teuren Autos im Vorgarten. Dann ist Schluss - hier ist zwar ein Tor, aber das ist im Winter geschlossen. Ich muss den ganzen Weg zurück und dann auf der anderen Mauerseite wieder entlang gehen, um zu einer kleinen Bucht zu gelangen. Nichts Besonderes. Keine IUnfrastruktur. Ein Restaurant und einen Supermarkt finde ich erst wieder an der Hauptstraße nach 15 min Fußmarsch.

Freitag, 3. Januar 2025

Strecke

Die Nacht war mild, erst gegen Morgen wurde es kalt. Um halb zehn wacht der Platz langsam auf, wir sind erst um halb zwölf abfahrbereit. Es wird immer später. Heute haben wir kein festes Ziel, nur nach Norden; es gibt auch nichts besonderes zu sehen oder zu fahren. Darum lassen wir es einfach rollen. 

Wirklich notwendig ist heute nur: Geld abheben, tanken, essen. Gelich in Essaouria kann ich die ersten beiden Punkte erledigen, gegssen wird am Abend in Oualida, wo wir heute wieder einen Campingplatz beehren. Es gibt in der Stadt auch einen Wohnmobil-Stellplatz, aber der ist absolut ungeeignet und bislang auch nicht "bewohnt". Diese Stadt ist unaufgeregt, darum gönne ich mir hier im Straßenrestaurant eine Taijine.


Mit der Sonne im Rücken geht die flotte Fahrt auf kerzengerader Straße mitten durch den "Wald" - zumindest nennt sich das niedere Gestrüpp hier so. Ist das das afrikanische Pendant zu den schwedischen Wäldern? Der weiße Untergrund aus Steinen und Sand blendet sehr, jetzt hätte ich zum ersten mal in meinem Leben gerne eine Sonnenbrille. Erholung für die Augen ist das nagelneue schwarze Asphaltband. Die Lisl pendelt nicht mehr? Waren es doch nicht die Reifen? Weitere Beobachtungen zeigen, dass es vielleicht der Straßenbelag ist - womöglich gibt es unter den älteren Straßen unsichtbarel Spurrillen? Auf dieser Küstenstrecke tummeln sich deutlich mehr Touristen als bisher - Motorradfahrer mit den großen Adventurebikes begegne mir mehrfach. Oberhalb von Essaouria lassen sie sich von den an der Straße bereitliegenden Reitkamelen beeindrucken. Ich bin froh, die Marokko-Schleife im Uhrzeigersinn gemacht zu haben, der kalte und interessante Teil liegt hinter mir, nun ist eine laaaangweilige, dafür wärmere Rückfahrt angesagt. Entspannung. Selbst der anscheinend tägliche Markt mit wilder Geschäftigkeit, Fahrzeugen aller Art kreuz und quer und Fußgängern in den wenigen Lücken, streßt uns jetzt nicht mehr. Mancher hat es eilig auf dem Heimweg und läßt seinen Esel oder sein  Pferd im Galopp heim rennen.

Ein kleiner Abstecher etwas weiter in Richtung Inland beschert uns wieder ein paar nette Kurven. Dann allerdings sollen wir auf eine Sandpiste abbiegen? Nein, wir bleiben jetzt lieber auf der gequemen Hauptstraße. Am Straßenrand hält ein kleiner Kastenwagen - Klappe auf. da sitzen bestimmt schon 8 Männer hinten drin. Nächster Mann hinzu, Klappe zu, weiter geht's. Ein paar Kilometer weiter: Klappe auf, Mann rein, Klappe zu. Ich frage mich, wie oft das gut geht?
Die Küstenstraße wird anscheinend gerade komplett erneuert bzw. verbreitert. An einer Baustelle weirden wir vom Baustellenwächter angehalten. Irgendwann geht's dann weiter, lange. Auf der Gegenspur - also auf der falschen, neu geteerten Seite - kommen uns plötzlich scharenweise Fahrzeuge entgegen, bis ein Baustellenfahrzeug unsere Spur blockiert. Der LKW vor mir weicht nach links auf die Sandpiste aus, ich bevorzuge die rechte Asphaltspur, auf der derzeit kein Gegenverkehr zu sehen ist. Am Ende der Baustelle steht der andere Wächter und winkt fröhlich alle Fahrzeuge Richtung Baustelle durch...was für ein Chaos. Aber hier nimmt man das gelassen, es passiert nichts und keiner regt sich wirklich auf. Es funktioniert.

Wieso müssen eigentlich voll (sogar mit Waschmaschine!) ausgestattete Wohnmobile auf Campingplätze? Die haben doch alles! Oder geht's hier um das "socialising"? Der Campingwärter ist überrascht über mein "Zelt", sucht aber hilfsbereit mit mir zwei passende Bäume. Was geht wird hier möglich gemacht.

Donnerstag, 2. Januar 2025

Winter - Wüste - Meer

Der kleine Schlafsaal mit 10 Betten ist voll belegt, überwiegend Männer. Draußen ist es saukalt, aber drinnen herrscht eine kuschelige Gär-Temperatur. Die Luft ist zum Schneiden dick, die Jungs schnarchen um die Wette. Ich habe kein Auge zugemacht. Nach einer heißen Dusche am Morgen gibt es ein gutes Frühstück, dann brechen wir auf. Den Parkplatz finde ich wie erwartet - alles gut. Ich glaube, einen Waschlappen habe ich liegen lassen, das ist verschmerzbar. Horden von Touristen werden von einem Tafelhalter durch die engen Gässchen geführt und bespaßt. Brav trotten sie hinterher.

Um halb elf herrscht doch schon ein wenig Verkehr, der ordentlich Staub aufwirbelt. Beim Anblick der schneebedeckten Berge vor uns, bereue ich meine Entscheidung nicht, den hohen Atlas links liegen zu lassen und langsam wieder nach Norden abzudrehen. Heutiges Ziel ist Essaouria an der Küste. Dort soll es einen Campingplatz geben. Entspanntes Fahren ist das heutige Motto. Das Land bietet uns eine abwechslungsreiche Mixtur aus Straßen und Landschaft an - kerzengerade Abschnitte, von Palmen oder Dornbüschen gesäumt, Geröllwüste, dicht belebte Ortschaften mit "Verkehrschaos", kurvige Abschnitte durch die Wüste oder bergauf und bergab durch felsige Berglandschaft, breite 4-spurige Straßen oder schmale Asphaltbänder mit abgebrochenen Kanten. Immer haben wir guten Untergrund, also keine Abenteuer für die Lisl. Wir sind jetzt in der Wüste - man lebt hier anscheinend gerne vom Tourismus: Quads oder Buggies säumen die Straße und warten auf Ausflügler, Kamelreiten oder andere Touren werden angeboten. Die Kulisse der trostlosen, beigen Steinwüste, deren Hügel von großen oder kleinen Wadis zerfurcht und mit wenigen dornigen Büschen übersät ist, vor den schroffen, schneebedeckten Gipfeln des hohen Atlas ist schon atemberaubend. Gelegentlich versucht ein Bauer, Oliven anzubauen. Berberhörnchen flüchten vor Lisls tuckern.
Na Lisl, erinnerst Du Dich? Als junger Hüpfer von 2 Jahren, bist Du ein solchem Gelände querfeldein gefahren! Heute halten wir uns dan die Alt-Damen-Wege und bummeln durch die Wüste.

Hunger! Da kommt ein Restaurant. Eine Gruppe englisch sprechender Touristen scheint gerade angekommen zu sein - sie räumen das ganze Restaurant um, weil eine der Reisenden keine Sonne verträgt. Chaos. Die männlichen Bedienungen sind heillos überfordert, vielleicht ist das ihr erstes Restaurant? Nach mir eintreffende Gäste bekommen vor mir die Speisekarte zum Aussuchen, die englische Gruppe wird mit Messer und Gabel versorgt, dafür bekomme ich mein Essen als erstes. Allerdings ohne Werkzeug. Es dauert sehr lange (bald wird das Essen schon kalt), bis ich endlich eine Gabel erhalte. Es ist "leider nur" eine Kuchengabel, und die wird schon sehr bald wieder benötigt...ich bin aber noch gar nicht fertig. Beim Bezahlen mangelt es dafür am Wechselgeld. Aber geschmeckt hat es!

Vor Kurzem scheint es hier geregnet zu haben, davon zeugen die nassen Lehmpfützen, die in der Sonne glitzern. Hauptverkehrsmittel sind auch hier Esel oder Mopeds. Prinzipiell ist jedes Verkehrsmittel hoffnungslos überlastet, die Satteltaschen, -säcke oder -körbe, mit denen die Esel beladen sind, passen auch auf Mopeds. Kein Heckmeck wegen "Gepäckkoffern", wie wir das in Europa machen. Auch mit der Helmpflicht wird das hier etwas anders gehandhabt: zwar hat jeder seinen Helm dabei - auf dem Gepäckträger oder am Lenker, aber meist wird er nur schnell auf den Kopf gestülpt, egal was man gerade auf hat, wenn Polizei in der Nähe ist.

Kurzerhand haben wir das Ziel etwas angepasst, da es den anvisierten Campingplatz bei Essaouria anscheinend nicht mehr gibt. Etwas weiter südllich werden wir fündig, allerdings ist der Platz wegen Überfüllung geschlossen. Auf einem zweiten Platz direkt daneben dürfen wir uns dann aber niederlassen - diesmal zwänge ich mich mit der Koje zwischen zwei dicke Wohnmobile. Auf der anderen Straßenseite liegt ein endloser Sandstrand - ein Paradies für Surfer, Quadfahrer, Reiter (am Strick geführt oder im gestreckten Galopp) und Elektromopeds mit dicken Reifen.

Eigentlich wollte ich hier noch ein wenig länger bleiben, aber mein Bargeld geht zur Neige und Karten werden nicht akzeptiert. Außerdem fehlt mir hier der Ladestrom für die Elektronik. Also geht's wohl doch morgen weiter Richtung Norden.