Freitag, 27. Juni 2025

Kann es schönere Tage geben?

Das ist schwer möglich!

Nach einer heißen Dusche habe ich die letzte Nacht super geschlafen, das Frühstück mit Roy genossen und meinen zweiten Kaffee-Versuch erfolgreich gestartet (ok, hab den Kaffee versüßt und vermilcht). Ich lerne noch etwas über die norwegischen Lebensmittelpreise: sämtliche Supermarktketten werden von lediglich 2 bis 3 Familien kontrolliert, die alle Ansiedlungsversuche anderer Anbieter (z.B. Lidl) zu verhindern wissen. Roy kündigt erneut Regen an, bislang ist zum Glück nichts zu sehen als wir uns kurz nach neun auf die Piste begeben. Die Luft ist klar, der Himmel blau, die Sonne scheint, nur im Schatten ist es noch etwas feucht.


Bereits nach 20 km zweigen wir auf ein niedliches Bandwurmsträßchen ab und schlängeln uns durch gesunde, grüne Mischwälder. Um die Mittagszeit kommt etwas Wind auf, der vor uns liegende See trägt weiße Schaumkrönchen. Der erste Pass führt uns auf 800 m, wo wir eine ganz Zeitlang dahinreisen. Klare, braun gefärbte, weitläufige Seen, Moore, sprudelnde Bäche und Wasserfälle. Schafe auf der Straße - ja klar, wir sind in Norwegen!

Bei einem kurzen Fotostop bemerke ich dunkle Wolken hinter uns, ein paar Sprühregentropfen haben wir ebenfalls schon abbekommen. Schnell weiter - lauf, Lisl, lauf!  Man kann gar nicht so viel fotografieren, wie man gerne möchte! Ich kann nur alle Bilder in mich aufsaugen und sie hoffentlich konservieren. Als wir im nächsten Tal ankommen, haben wir uns einen kleinen Vorsprung verschafft. Rund um Amot liegt Lisls Trainingslager: langezogene, übersichtliche, endlose Kurven auf breiten, wenig befahrenen Straßen bieten beste Gymnastikmöglichkeiten. Trotz ihres Alters scheint sie kein bischen eingerostet zu sein...sie fällt so gemütlich weich in jede Kurve - es ist ein Traum!

Am Ostrand der Hardangervidda klettern wir alsbald wieder über 1000 m hoch. Frische 15 Grad herrschen hier, aber die Sonne ist ja da! Auf dem hochgelegenen Møsvatn gibt es anscheinend eine Fähre nach Mogen am Ende des langgestreckten Sees. Straßen gibt es dort nicht mehr. Eigentlich ist unser Tagesziel schon erreicht, aber hier ist es mir zu kalt und außerdem ist es noch früh. Kurz darauf steigen wir die Maristigen in ein warmes Tal unterhalb des Gaustatoppen (1883 m) ab. Die Aussicht ist phantastisch, aber ich kann leider kein Foto machen, denn hier wird gebaut und wir werden durch die,im Tunnel stockdunkle, Baustelle gelotst.




An einem kleinen Nebensträßchen am Tinnsjø finden wir einen fein geschotterten Parkplatz am Bach (mit Toilettenhäuschen). Über große, flache Felsen plätschert ein klarer Bach, gelegentlich durch Wasserfälle unterbrochen. Die weitläufigen Steinplatten sind von der Sonne herrlich aufgewärmt und so kann ich auch nach Sonnenuntergang noch etwas sitzen bleiben.

Donnerstag, 26. Juni 2025

zurück in Norwegen

Ich hab so gut geschlafen...bis 8 Uhr! Eigentlich wollte ich früh los, aber nun wird es doch wieder 9 Uhr. Das bedeutet, daß ich die Fähre um 12 Uhr nicht erwischen werde (war sowieso unrealistisch), aber die 16-Uhr-Fähre schon, wenn ich mich spute. Das Zelt ist noch naß - innen - von Kondenswasser. Keine Zeit zum Trocknen lassen.
Dänemark ist einfach nur flach; darum gibt's auch nichts zu erleben oder zu erzählen. Kerzengerade führen die meisten Straßen durch das Land, zum Glück herrtscht nur wenig Verkehr und es bieten sich oft Überholmöglichkeiten. Im Supermarkt machen wir eine kurze Fresspause, die Lisl bekommt erst kurz vor Hirtshals Nachschub. Um 14 Uhr sind wir im Hafen und jetzt kaufe ich auch erst das Ticket. An Bord müssen wir diesmal die Mopeds selbst vertäuen und zur Abfahrtszeit wird von "technischen Schwierigkeiten" gesprochen. Das klingt nicht besonders gut. Auch der Wetterbericht macht keine Freude - ab Kristiansand ist bis Mitternacht heftiger Regen angesagt. Willkommen in Norwegen.

Die Überfahrt ist mit 2,5 Stunden eingeplant, momentan haben wir bereits 1 h Verspätung. Wir bekommen keine Info über weitere mögliche Verspätungen. Die Zeit nutze ich, um eine Übernachtungsmöglichkeit bei "bunk a biker" in Kristiansand klar zu machen. So bleibe ich hoffentlich einigermaßen trocken. 
Die Regenhose ziehe ich trotzdem an, es herrscht übliches norwegisches Regenwetter. Bis zu Roy ist es nicht weit und eine Teilstrecke führt durch einen Tunnel. Das Haus ist etwas schwierig zu finden. In der Garage herrscht Platzmangel - dort stehen mindestens 4 Motorräder und ein alter Rallye-Fiat. Ein weiterer Oldtimer blockiert, aufgebockt, den Hof. Im Keller bekomme ich ein geräumiges Zimmer mit eigenem Bad. Roy und ich sitzen in der Küche bei Rhabarbersaft zusammen, im Laufe der Zeit kommen die beiden erwachsenen Kinder und zu guter Letzt auch die Frau vorbei. Es ist sooo spannend zu hören, was die verschiedenen Menschen für Leben geführt haben! Irgendwie scheint meines dagegen langweilig gewesen zu sein....nein, das stimmt auch nicht.

Mittwoch, 25. Juni 2025

Kontraste

Als ich um 8 Uhr morgens das Zelt öffne radelt gerade eine Frau vorbei und ruft mir ein lautes, fröhliches "guten Morgen" zu. Das Zelt ist fast trocken und es ist warm, ja schwül. 9 Uhr ist eine gute Zeit für den Aufbruch, ini ca. 1 Stunde können wir dann meine Freundin Karin in Lübeck besuchen. Ich werde ihr noch frische Erdbeeren mitbringen. Entlang des Schaalsees führt eine schmale Allee durch winzige Dörfer mit Pflasterstraßen.
Schon nach kurzer Zeit steuern wir auf eine rabenschwarze Wolkenwand zu. "Hoffen" bringt da leider nichts, Petrus sorgt für unsere Sauberkeit und ergießt einen Wolkenbruch über uns. In Sekundenschnelle verwandeln sich die Straßen in Sturzbäche.

Karin freut sich sehr über meinen Überraschungsbesuch! Nach 3 Stunden zieht es uns allerdings weiter, mein Plansoll bis Hirtshals wird aber heute sicher nicht erfüllt. Dann halt einen Tag später. Lübeck ist verkehrstechnisch schrecklich - 1/2 Stunde brauchen wir, bis wir wieder freie Fahrt haben. Immer noch hängen schwarze Wolken über uns, aber es bleibt den Rest des Tages glücklicherweise trocken. Und kühl.

Ich weiß gar nicht, wo die Straßenbauer hierzulande im Flachen die ganzen Kürvchen finden, die sie in die kleinen Sträßchen eingebaut haben. Den kurvigen Teil der Navigation durften wir schon genießen, jetzt kommt der schnelle Teil dran. Wir landen auf einer 4-spurigen Schnellstraße. Unvermittelt ist sie nach einiger Zeit gesperrt, die ausgeschilderte Umleitung führt uns nur bis zum nächsten Ort, dann läßt sie uns im Stich, Keine Hinweisschilder weit und breit. Mein Navi findet einen Weg, der uns zur nächsten Auffahrt bringt, die aber auch gesperrt ist. So landen wir letztendlich auf - immerhiin asphaltierten - Feldwegen. Weiter geht's immer. Zum Beispiel auf eine 2-spurige, sehr stark befahrene Bundesstraße. Hinter Traktoren oder dicken LKWs hängen wir nun fest, überholen ist nicht, denn auch die entgegenkommende Schlnage ist endlos. Erst nach der Grenze dünnt der Verkehr aus, allerdings sind wir hier auch wieder - im Zick-zack - auf ziemlich kleinen Nebenstraßen unterwegs. So weit abseits, daß wir sogar streckenweise geschotterte Feldwege unter die Räder nehmen. Das ist heute ein Kontrastprogramm!

Einen netten Schlafplatz finden wir auf dem Gelände der örtlichen Pfadfindergruppen. Außer mir steht nur noch 1 Zelt auf dem riesigen, kostenfreien Platz. Das wird wieder schön ruhig und einsam. Bis auf die Myriaden von winzigen, bissigen Mücken. Schnell - ab in's Zelt! Gute Nacht.




Dienstag, 24. Juni 2025

Mittelgebirge

Die Übernachtung in der Schutzhütte war ok - nicht sehr romantisch, dafür aber praktisch. Bereits um 7:15 Uhr rollen die Räder! Wir haben uns heute viel vorgenommen - zu viel, wie sich herausstellen wird. Bis Lübeck sind es ca. 580 km und alles auf Landstraßen, ohne Autobahn!

Zum Aufwachen gibt es gleich ein Schmankerl. Kleine, teils einspurige und sehr enge, dafür aber umso kurvenreichere Sträßchen führen uns an plätschernden Bächen entlang durch den Wald. Am Vormittag ist der Magen aufgewacht, dafür sind die Augen müde. Der Wind und Staub gestern hat ihnen nicht gut getan, sie sind entzündet und haben in der Nacht gewässert. Darum trage ich heute ausnahmsweise mal die Motorradbrille. Gegen die Müdigkeit unternehme ich ein Experiment namens "Kaffee"! Mein ganzes Leben lang habe ich Kaffee vermieden, ich mag ihn nicht. Nun beschließe ich, einmal alle Vorurteile außer Kraft zu setzen und Kaffee zu probieren. Zusammen mit einem Croissant und zur Versöhnung ein süßes Gebäckstückchen. Mmm, muß ich wohl noch ein paar mal wiederholen, um mich daran zu gewöhnen.

Das Navi ist auf "schnell und kurvig" eingestellt. Dummerweise weiß es nicht, daß die "schnellen" Abschnitte - eigentlich mehrspurige Schnellstraßen - noch im Bau sind und wir darum im Schneckentempo durch die Baustellen gelotst werden oder auf langen Umwegen durch enge Dörfer, in denen die dicken LKWs oft stecken bleiben. Nach dem Frühstück dürfen wir auf Nebenstrecken wechseln, aber das Navi weiß auch hier nicht, daß sehr viel Schwerlastverkehr unterwegs ist, der sich mit 40 km/h durch die herrlichen Kurven die Berge hinaufkämpft. Haben wir mal freie Fahrt, dann ist die Strecke frisch gesplittet. Das alles kostet Zeit und Nerven!

Ein kurzes Transferstück auf einer netten, kleinen, erstaunlich kurvenreichen Nebenstrecke, schwups sind wir in den Kasseler Bergen und nahtlos im Harz. Dort, am Brocken, begegnet uns ein leuchtend ferrariroter, alter Traktor. Sehr schön restauriert, Kleidung und Käppi des Fahrers in der gleichen Farbe. Die Geschwindigkeit paßt zur Farbe, aber der Clou ist der angehängte Wohnwagen! Einen herzlichen Gruß an Euch! Kurz darauf dampft die touristische Brockenbahn vorbei.

Als wir die Berge verlassen haben und durch endlose Alleen cruisen, fängt es an zu nieseln. Nur ganz wenige Tropfen, zu wenig um die Regenhose auszupacken. Aber stetig. So merke ich erst spät, daß die Klamotten naß sind. Aber dann ist es auch egal, denn der Tag ist vorbei. Um 18:30 Uhr ist für heute Schluß, ich habe noch ein Zoom-meeting. Auf einem gut versteckten Parkplatz im Biotop Schaalsee finden wir ein einsames Plätzchen. Das gelbe Schild mit dem Übernachtungsverbot ist leider außer Sichtweite....es nieselt weiter. Bis Lübeck ist sind es noch ca. 50 Minuten. Immerhin haben wir fast 500 km geschafft - ohne Pausen haben wir dabei doch einen Schnitt von 60 km/h geleistet. Brave Lisl!

Montag, 23. Juni 2025

Von Zuhause (in Deutschland) nach Hause (in Norwegen)

Abfahrt zum Endspurt - letzte Etappe - ist heute erst gegen 14 Uhr, nach einem letzten Termin beim Osteopathen. Die Lisl muss ja auch noch nach Hause kommen. An ihrem "neuen" Motor hat sie sich noch nicht so ganz gewöhnt, das Anspringen fällt ihr noch schwer und im Schiebebetrieb patscht sie arg. Aber heute mag sie auf den ersten Drücker - sie weiß wohl, wohin es geht? Ihr Durst ist drastisch gesunken - ganze 2 Liter braucht sie weniger. Das macht eine Reichweiten-Erhöhung um ca. 200 km!

Wetter? Ja, das ist sehr wechselhaft: am frühen Morgen hat ein heftiges Gewitter getobt, im Laufe des Tages steigen die Temperaturen auf über 30 Grad. Starker, böiger Wind begleitet uns den ganzen Tag. Die Lisl bleibt stur in der Spur, aber mein Kopf wird ordentlich gebeutelt. Stellenweise finden sich noch große Pfützen im Schatten, in der Sonne ist die Straße jedoch trocken oder dampft gerade ab. Um 16 Uhr treiben die Böen bedrohlich dunkle Regenwolken auf uns zu. Ob uns das Wetter wohl erwischt? Wegen der schlimmen Gewittererfahrungen der letzten Tage, halte ich frühzeitig an um die Regenkombi anzuziehen und alle Schotten dicht zu machen. Das Einzige was jedoch naß wird, ist mein Rücken...vom Schweiß in dem warmen Anzug. Außer ein paar angetäuschten Nieseltropfen bleibt es trocken, auch wenn sich immer wieder dunkle Wolken vor die Sonne schieben.

In Geroldsgrün hat Faber Castell eine Produktionsstätte. Die historischen Gebäude direkt an der Ortsdurchfahrt fallen auf jeden Fall auf, denn sie strahlen in den kräftigen Farben der Faber-Buntstifte. Jedes in einer anderen Farbe! Das ist sehr lustig. Hier ist unser heutiges Tagesziel. Es ist aber noch nicht spät und wir haben noch Lust, ein wenig weiter zu fahren. Gelegentlich taucht ein Rastplatz mit Sitzgeletenheit auf, einmal sogar mit einer offenen Hütte. Weiter geht's noch ein wenig.

Entlang der Frankenwaldhochstraße passieren wir einen kleinen Bahnhof, der auch historische Triebwagen beherbergt. Die Hochstraße windet sich herrlich kurvig durch Täler und über Berge, aber den Wald vermisse ich schmerzlich. Risiege Waldflächen wirden kahlgeschlagen, in großen Teilen haben Stürme heftig gewütet, die letzte Bäume sterben oder sind schon tot. Traurig braun und kahl stehen ihre Gerippe zwischen einzelnen noch grünen Fichten.

Um halb acht Uhr beschließen wir den Tag an einem Platz neben der Straße. Hoch über Dörfern und Wiesen, auf über 600 m, liegt eine kleine offene Hütte mit Sitzgelegenheiten. Dort werde ich schlafen, dann muss ich das Zelt nicht aufbauen.

Mittwoch, 4. Juni 2025

Ein (vorläufiges) Ende mit Donnerschlag

Rolf hat schon den Frühstückstisch gedeckt, als ich aufstehe. Wir wollen noch frische Bockwürstchen probieren. Sie werden direkt aus dem Kessel an der Hintertür einer Metzgerei verkauft. Ich möchte eigentlich recht bald aufbrechen (9 Uhr wird's), denn wir haben heute eine sehr lange Etappe vor uns - 557 km! Das ist fast doppelt so viel wie an den anderen Tagen. Der Tag beginnt leider schon mit einer unangenehmen Überraschung - auf unserer Futterkiste klebt ein Zettel vom Ordnungsamt. Es wird nicht erwähnt, was wir falsch gemacht haben, lediglich, daß wir Post erhalten werden.

Es ist warm, 24 Grad! Mir ist das zu viel, mein dresscode ist auf Sommer eingestellt aber ich komme dennoch in's Schwitzen. Hägar trägt sein gestern montiertes vorderes Nummernschild auch nur widerwillig - seinen Ärger reagiert er mit Hitzeentwicklung im Auspuff ab. Und der strahlt die Hitze weiter an mein rechtes Knie ab.
Auf deutscher Seite geht es nun nach Görlitz, wo wir wieder nach Polen wechseln. Auf dieser kurzen Etappe sind uns mehr Polizeifahrzeuge begegnet als auf den ganzen 3000 km von Norwegen bis hierher. In Görlitz ist mein Navi überfordert, so fahren wir ein wenig zick-zack, bis wir den richtigen Ausgang finden. Auf polnischer Seite kaufe ich in einem Supermarkt etwas zu trinken und 2 süße Teilchen. Die Menschenschlange an der einzig besetzten Kasse reicht einmal um die Welt. Also versuche ich mein Glück an der Selbstbedienungskasse. Die erzählt mir aber ewig lange eine sich wiederholende polnische Geschichte und es geht nicht weiter. Als auch die anderen Kassen in den gleichen Modus wechseln, taucht ein Angestellter auf und setzt die Kassen zurück. Ich bitte ihn, mir zu helfen, denn ich verstehe beim besten Willen kein Polnisch und komme mit der Kasse nicht klar. Für meine 2 Kaffeeteilchen braucht man 2 Tüten! Hä? Erst als diese separat verpackt sind, darf ich weitermachen. Wofür die zweite Tüte gut sein soll erschließt sich mir nicht, denn man muss ja jedes Teil einzeln eingeben.

Als nächstes wollen wir auf Nebenstraßen die polnisch-tschechise Grenze passieren. In einem kleinen Dorf zweigt das Sträüchen ab, aber nach 100 m stehen wir vor dem Ende. Die Straße ist mit einem Gitter verbarrikadiert - Fußgänger und Fahrradfahrer können leicht passieren, die Lisl würde es vielleicht auch schaffen, nicht aber Hägar oder gar unser ganzes Gespann. Also müssen wir einen großen Umweg und über eine Schnellstraße fahren, um die Tschechei zu entern. Dort passe ich die Route an, denn das Navi schlägt einen großen Bogen vor. Den kürzen wir ab und fahren quer durch den Wald über einige Berge. Hägar muss dabei ordentlich schnaufen.
Ein herrliches Stück Kurvenstrecke dürfen wir dann unter die Räder nehmen - phantastisch für Motorräder, für mich auf dem Quad etwas anstrengend. Man muss ordentlich mit Lenkung, gegen Geradeauslauf und mit Gewichtsverlagerung arbeiten und Hägars Beschleunigung zum Kurvenende sit bei mageren 23 PS auch nicht gerade umwerfend. Die Lust ist voll mit Pollen und Blütenstaub, der mir in die Augen fliegt.

Nun sind wir Richtung Prag unterwegs, werden es aber in großem Bogen weiträumig umfahren. Die große, zweispurige Straße ist viel befahren, die Autofahrer werden rücksichtsloser und einige Male stockt der Verkehr auch, Baustellen mit laaanger Wartezeit halten uns auf. Nicht sehr spaßig.

In Pilsen wird es ganz verrückt: am Ortseingang erreichen wir einen Kreisel mit 5 Ausgängen, die aber allesamt gesperrt sind. Lediglich der letzte Abzweig entläßt uns wieder, allerdings in die komplett falsche Richtung. Wir irren durch ein Industriegebiet und landen immer wieder in Sackgassen - es gibt keinen Ausweg Richtung Stadt oder in unsere Richtung! Also müssen wir zurück, durchfahren den Kreisel entgegen der Fahrtrichtung (Baustelle) und können ihn nur durch die ursprüngliche Einfahrt wieder verlassen. Ein ganzes Stück zurück habe ich eine kleine Straße als Alternative ausgemacht, aber wir können nicht dorthin abbiegen - Baustelle und Abbiegeverbot. Auch können wir auf dieser Straße nirgends wenden. Es geht also ziemlich lange zurück bis wir irgendwo illegal wenden können, dann wieder zurück Richtung Kreisel aber kurz davor abbiegen. Dann noch ein paar kleinere Wirrungen, weil mein Navi nicht mitspielen will, und wir sind wieder auf Kurs.

Hm, das Navi errechnet eine Ankunftszeit in Aschbuch gegen 10 Uhr abends. Aber für 7 Uhr sind schwere Gewitter vorhergesagt, sowohl an unserem aktuellen Aufenthaltsort als auch in Aschbuch. Die Warnungen erreichen mich auf verschiedenen Kanälen - Panikmache? Bei unserer letzten Tankpause in Tschechien um 19 Uhr ist es warm und trocken - die Wetterapp behauptet aber, es würde in Strömen regnen.
Kurz nach der Grenze fahren wir auf eine schwarze Wolkenwand zu und ich packe mich vorsichtshalber wasserdicht ein. Eine Zeitlang werden wir noch verschont und dann folgen wir einer unsichtbaren Grenze zwischen der tiefstehenden, blendenden Sonne rechts von uns und den dunklen Regenwolken links von uns. Es ist genau die Grenze, wenn die ersten Regentropfen vor einem Gewitter fallen. Manchmal ist die Straße naß, manchmal trocken; manchmal gibt es schwere Regntropfen, manchmal nicht. Ziemlich lange haben wir dieses Glück.
Parsberg ist angeschrieben! Das ist schon fast zu Hause - zumindest fühlt es sich so an. Immerhin liegen immer noch ca. 50 km vor uns. Und jetzt zucken grelle, orange Blitze rings um uns herum und erleuchten den Himmel und die ganze Umgebung. Donner höre ich keinen, dank der Ohrstöpsel und Hägars Motorsummen. Ein wenig Magengrummeln bekomme ich schon... Und dann erwischt es uns: in Sturzbächen prasselt der Regen nieder, starke Windböen kommen auf, es ist stockdunkel. Zum Glück tauchen ein paar Häuser auf, Hägar parkt an einer Giebelwand und ich stelle mich in einem Hauseingang unter. Ungeduldig wie ich bin, beschließe ich nach ca. 10 min, daß Blitz und Donner schwächer geworden sind und Wind und Regen nachgelassen haben. Oder doch nicht? Egal - weiter geht's! Wir werden noch ordentlich gewaschen, unserer Geschwindigkeit sinkt enorm dank Hägars Slicks auf den Vorderrädern und meiner "Null-Sicht". Das verkratze Brillenglas ist selbst innen von Wassertropfen übersät und beschlägt gelegentlich. Entgegenkommende Autos fabrizieren Christbäume mit ihren Scheinwerfern. Hägars Licht - inklusive Zusatzscheinwerfer - wird von der Dunkelheit, der nassen schwarzen Straße und den davon aufsteigenden Nebelwölkchen fast vollständig verschlungen.

Etwa um 10 Uhr abends rollen wir in Aschbuch ein. Alle Straßenlaternen und Häuser sind dunkel...? Als wir mitten im Ort sind, gehen die Lichter wieder an - Stromausfall. Meine Familie hat davon nichts bemerkt. Hägars Platz in meinem Carport ist von den Autos besetzt, die vor dem Hagel in Sicherheit gebracht werden mussten. Also wollen wir in der Garage einziehen - dort ist allerdings alles vollgestellt mit dem Inhalt und feuchten Fußbodenresten eines Badezimmers - dort hatte es einen Wasserschaden gegeben. Hägar kann sich gerade noch so dazwischen quetschen, den Anhänger muss ich gleich in den Garten bringen. In meiner Hütte ist kein Strom vorhanden - die Hauuptsicherung ist rausgeflogen.
Irgendwie scheint es jedesmal schrecklich vermüllt und chaotisch auszusehen, wenn ich nach Aschbuch komme. Es ist kein entspanntes "nach-Hause-kommen".

Jetzt ist erstmal wieder Pause angesagt - der letzte Abschnitt diese Reise wird mit meiner Lisl sein und voraussichtlich ab 23.Juni stattfinden. Bis dahin...

Dienstag, 3. Juni 2025

Follower

 

Nach einem "Forschter Schnitzel", einem Eisbecher und einigen Gläsern Wein versuche ich nun, den Tag nochmal Revue passieren zu lassen - nicht einfach....

Wenn ich mich recht entsinne, sind wir kurz vor 8 Uhr gestartet. Früh am Morgen steht das Zelt noch im Schatten, bald schon kann die Sonne jedoch das Kondenswasser im Überzelt trocknen. Es ist warn. Aus Gewohnheit ziehe ich dennoch die lange Unterhose an und lasse die Regenjacke ebenfalls übergezogen. Während der Fahrt ist das zu Beginn noch angenehm, bei Stopps und ab Mittag wird es dann aber doch zu warm. Immerhin lege ich die Regenjacke um die Mittagszeit ab.

Wir halten uns gerne an die von Hägar bevorzugten Strecken, manchmal gute Asphaltstraßen (keine Autobahn!), dann wieder sehr schmale Asphaltsträßchen mit immensem Hoppelfaktor. Wir treiben uns größtenteils außerhalb der Städte in der grünen und bunten Natur herum. Hägar rollt weiterhin zuverlässig, der Hänger trollt sich unbemerkt hinterher. Alle ca. 100 km gibt es einen Tankstopp ohne große Verweildauer. Unser Ziel ist heute Forst an der polnisch-deutschen Grenze in der Nähe von Cottbus. Ich habe mich bei Rolf eingeladen, einem Motorradfahrer, den ich über gemeinsame Freunde kennengelernt habe. Er will mir ein wenig entgegenkommen, damit wir ein Stück zusammen fahren. Unsere Kommunikation scheint etwas unklar zu sein - er erwartet mich gegen 11 Uhr an einem Kriegerdenkmal in der Nähe von Forst. Mein Navi errechnet bis dahin aber mindestens 14 Uhr. Dabei sind keine Pausen, Baustellen oder Hindernisse eingerechnet. Die Zeit vergeht...der Ankunftszeitpunkt wandert langsam immer weiter nach hinten.
Und dann stehen wir vor einer Schranke, Sperrschild, dahinter die Oder. Laut Karten gibt es hier eine Straße, laut Beschilderung eine Fähre und tatsächlich - nichts! 2 große, orange Tafeln mit viel polnischem Text. Ich interpretiere das so, daß hier in nächster Zeit keine Fähre verkehren wird. Ein protziger Mercedes steht schon wartend dort, der Fahrer (Typ "neureich, nicht sehr schlau") kommt sofort auf mich zu und fragt nach meinen Ortskenntnissen. Ich weiß doch auch nicht mehr. Laut Navi gibt es ca. 15 km östlich eine Brücke, das macht 1/2 Stunde weitere Verzögerung. Wir beachten den Mercedesfahrer nicht weiter und fahren flott los. Und schon haben wir einen Follower! Er folgt uns tatsächlich in respektvollem Abstand den ganzen Weg bis zur Grenze, auch wenn wir öfters überholt werden. An der Grenze trennen sich unsere Wege mit Winken und Hupen. Lustig.

Rolf hat sich die Stunden der Wartezeit irgendwie vertrieben, er tut mir leid. Aber er führt mich nun stolz zum "Ostsee", einem riesigen Seenprojekt, das noch im Bau ist. Von Wasser ist bislang nichts zu sehen, der künftige Seeboden wird von staubigen Windhosen heimgesucht. Noch wird dort Tagebergbau betrieben und ein Kohlekraftwerk raucht auch - es wird bald verschwinden. Wir verabreden ein Wiedersehen, wenn auch Wasser zu sehen sein wird.
Es ist nicht mehr weit, ich bin total verschwitzt, es ist heiß. Kontrastprogramm.
Nach einer erfrischenden Dusche suchen wir das "Forschter Schnitzel" (in Anlehnung an z.B. das Wiener Schnitzel: Schnitzel mit ). Rolf muss dem Koch erst erklären, was man darunter versteht - ha ha. Aber - es schmeckt sehr lecker! Der Abend dauert bei Wein und Geschichten noch ein Weilchen, Hägar parkt auf der Straße und ich schwitze im Wohnzimmer. Gute Nacht!